Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : G. Papa [Nachricht]
- Date
- 1883-01-18
- Page
- 46 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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- Malbim 1× ep/1002711
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für heute eine eingehende Schilderung unserer Lage. Wir hoffen und bangen! Möge die Vorsehung mit uns sein! Möge mit der Klärung unserer politischen Lage auch die Zeit Hereinbrechen, in welcher an dem Ausbau des Gcmemdclebcus und des Lebens in der (Gemeinde rüstig gearbeitet wird. Wie wir auf Ihre Unterstützung im Kampfe nach Austen rechnen, so zählen wir auch auf Sie bei diesem friedlichen scgcnSvollen Werke. Frankreich. *.*Paris. Der Vorzug der großen Weltstadt, uns täglich neue Gelegenheit zu bieten, bedeutende Persönlichleiten aller Erdthcitc kennen zu lernen, die Paris für einen kürzeren oder längeren Aufenthalt aussuchen, bildet bekanntlich für die merkantilischen, politische;׳, und wissenschaftlichen Kreise eine besondere Annehmlichkeit des Wohnens in dieser Metropole. Auch von Eelebritätcn des Judenthums und nainentlich von solchen, die für speziell jüdische Interessen Paris aufsnchen, werden wir wohl häufig Veranlassung haben, Bericht zu erstatten. Unsere Glaubensgenossen aus dem Orient, welche Europa bereisen, machen hier in der Regel ihre erste größere Rast; ein großer Thcil der Europäer, welche dem heiligen Lande zuciten, nimuit den Weg über Paris und Marseille. Auch aits Rußland und Polen, von deren jüdischer Bevölkerung sich zahlreiche Familien hier dauernd niedergelassen, hatte Paris sich des Besuchs mehrer Koryphäen talurudischer Wissenschaft zu erfreuen. So hat der berühmte Malbim s. A., der Verfasser des wirklich bedeutenden Kommentars zu den sämmtlichen Büchern der heiligen Schrift, hier seinerzeit mehrere Vorträge gehalten. Vor etwa drei Jahren wurde, namentlich von den Talmudkitndigen der deutschen Kolonie der Rabbiner A. Sch. Gold st ein ans Wilkowitsch wegen seiner Gelehrsainkcit. seines Scharfsinns und seiner vorzüglichen Unterrichtsmethode hier sehr gefeiert. Gegeinvärtig weilt in Privatangclegenheiten Herr Elias L e v i n s o h n, Bankier aus Krottinge'lt bei uns. welcher in Rußland nicht nur als ein sehr gründlicher Talinudgelehrter, sondern auch als einer der vornehmlichsten Führer und Rathgeber unserer dortigen Brüder in den so überaus schwierigen Verhältnissen der Gegenwart, geschätzt und verehrt wird. Er ist einer der vielen bedeutenden Schüler des großen Rabbi Israel Sa lauter, welcher ebenfalls während zweier Jahre hier in Paris lehrte und wirkte. Herr Lewinsohn war Mitglied der Kommission, welche Baron von Günzburg mit ministerieller Genehmigung aus allen Theilcn des russischen Reichs im vorigen Jahre in Petersburg versammelte. So stehen wir hier in lebhaften Beziehungen zu unseren außerfranzösischen Glaubensgenossen und wissen sie zu schätzen und zu achten. Wir haben deshalb auch die Feier des siebzigsten Geburtstages des um die Interessen des Judenthums, namentlich in seiner großen vaterstädtischcn Gemeinde, sehr verdienten Herrn Sally Lewisohn, des langjährigen Vorstehers des Synagogcnverbandes in Han!bürg, nicht vorübergehen lassen können, ohne die Theiluahmc der hiesigen Kreise durch viele Glückwunschschreiben und Telegramme dem würdigen Greis zu erkennen zu geben. Ein Band der Liebe verbindet uns init allen unseren Brüdern nah und fern. So sehr wir uns als Franzosen fühlen, so schlägt unser Herz für Alte, mit denen uns die gemeinsame Uebcrzeugung, die geineinsamc hehre Aufgabe unseres Lebens vereinigt, in Freud und Leid. Rußland. Warschau. Wie der ״Pol. Eorr." mitgetheilt wird, wird als ostensibler Grund für die Entfernung der Juden aus dem Grcnzbczirke des Gouvernement Kowno die Unterdrückung des BranntweinschmuggelS angegeben. Palästina. Jerusalem. Die ״Fstr. Ztg." meldet: Das Komite zur Errichtung eines israelitischen Hospitals zu Jerusalem hat das in׳ der Mitte der Stadt belegenc deutsche Konsulatsgebäudc erworben. Das deutsche Konsulat wird nach dem eleganteren Stadttheile (vor dem Jasfathore) verlegt werden. Kollektiv-Berichte aus Ungarn- ״Es trägt Verstand und rechter Sinn Mit wenig Knnst sich selber vor; Und wenn's Euch ernst ist was zn sagen, Jst's nöchig, Worten nachznjagen?" Diese Worte Goethe's schicke -ich meiner Relation voraus, um gleichsam auzudcuten, daß ich unter dieser Rubrik Ereignisse von jüdischem Interesse präzis und kurz ohne allen Wortprunk und Phrascnschmuck mittheilen will. Mein Wahrzeichen ist מאזני צדק und drückt die Gesinnung aus, in welcher diese Berichte geschrieben werden. Ich will die hier zn Tage tretenden Ereignisse sine ira et Studio der Wahrheit gemäß wiedergebcn; ich werde mich von keiner Parteirücksicht leiten lassen, das Nützliche unb Gute loben und anerkennen, das Unlautere und Schlechte tadeln und rügen, es mag von welcher Seite immer kommen; kurz, ich will den Maßstab einer unparteiischen Kritik an die ungarisch-jüdischen Verhältnisse anlegen. ES dürfte nicht überflüssig sein, das Terain zur skizzircn, auf welchcm wir uns bewegen werden. Ungarn, das gesegnete europäische Asien, zählt 600000 jüdische Bürger. Diese :שש מאות אלן, sind auf Grund des XVII Ges. Artikels vom Jahre 1867 gleichberechtigte