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Jeschurun · 1883-01-18 · Heft 3 (18.1.1883) · p. 45

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 3 (18.1.1883)
Article
Deutschland : Hamburg [Nachricht]
Date
1883-01-18
Page
45 (sequence 2)
Language
German
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so werden die noch fehlenden durch ״allgemeine" Wahl mittelst abzugcbender Stimmzettel gewählt. Wir lassen für heute dahingestellt, wie weit sich ein derart konrplizirtes Wahlsystem für unsere Verhältnisse eignet; nur so viel dürfen wir als feststehend bezeichnen, daß die Art der Agitation speziell bei den ״Minoritätswahlcn" gewiß nicht dazu augcthan ist, um diesem "System daö Wort zu reden. Vielleicht finden wir gelegentlich Peranlassung, auf diesen Gegenstand näher zurückzukommen. Posen. Auf eine Beschwerde jüdischer Eltern, betreffend die Nichtdispcnsirung jüdischer Schüler an jüdischen Feiertagen, hat, der ,.Pos. Ztg." zufolge, die Negierung den Beschwerdeführern eröffnet, ״daß die Dispensation der jüdischen Kinder von dem Unterricht an jüdischen Feiertagen für die Zukunft jederzeit erfolgen soll, sofern deren Eltern oder deren gesetzliche Stell- Vertreter persönlich oder schriftlich vor Beginn eines Schuljahres oder eines Schulscmcstcrs ein dahin zielendes Gesuch an den Leiter der Schule unter genauester Be- Zeichnung des bürgerlichen Datunts der betreffenden Feiertage richten." Diese Entscheidung entspricht vollständig den gesetzlichen Vorschriften. Wenn es jüdischen Eltern ernstlich darum zu thun ist, einen solchen DispcnS für ihre Kinder zu erlangen, so kann solcher niemals verweigert werden. * Schwerin. (Mccklbg. Ain 4. d. M. verstarb einer unserer gcachtestcn Mitbürger, der Geh. Finanzrath Aron Hiurichsen, im Alter von 87 Jahren, und wurde unter zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung am 7. d. M. zu Grabe geleitet. In beut Gefolge befanden sich die Spitzen verschiedener hohen Behörden. Der Großherzog hatte sich durch Herrn General Müller vertreten lassen und bcthütigte dadurch die hohe Anerkennung, welche er dem Verblichenen stets hatte zu Theil werden lassen. So hatte sich der Perstorbcnc vor zwei Jahren der Gnadenbezeigung zu erfreuen, daß der Großhcrzog ihm bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Jubiläums als Hofagent persönlich die landesväterlichen Glückwünsche überbrachtc und ihnt sein Bildniß verehrte. Neben Biederkeit des Karakters war es namentlich die Mildhcrzigkeit und Wohlthätigkeit, welche den Verstorbenen auszcichneten. Wie manchen seiner Mitbürger hat er in hochherzigster Weise gehülfen. Herr Landesrabbiner Dr. Feilchenfcld gab in seiner Trauerrede der allgemeinen Theilnahinc würdigen Ausdruck. Durch lctztwilligc Verfügung hat H inr ich scn der hiesigen jüdischen Gemeinde 15000 Mark, der Chrbra Kadischa hiersclbst 600 Mark, der Stistung für jüdische Waisenkinder 500 Mark und ebenso dem christlichen Kinderhospital 500 Mark überwiesen; am Begräbnißtagc wurden 500 Mark unter Arme beider Religionen vertheilt. Das Andenken dieses Edlen wird also fortlcben auch im Gedächtuiß der kommenden Generationen; es bleibe stets zum Sogen. Seine treue Gattin, mit welcher er länger als sechzig Jahre vcrbunden gewesen, überlebt ihn. Mög«c es der würdigen Greisin bcschieden sein, die menschenfreundliche Wirksantkeit ihres Mannes noch lange fortzusetzen. Wrescheu. Der hiesigen SlMagogen-Gemcinde sind einige namhafte Legate vermacht worden, deren Zinsen durch den Gemeinde-Vorstand, dem Willen der Testatoren gemäß, zu bestimmten Zwecken verwendet werden: I) das Frau Rebekka IcW'sche Legat von 900 Mark, dessen Zinsen zum Unterrichte armer Schulkl'ndcr bestimmt sind; 2) Das Jtzi«; Bluin'sche Legat von 1500 Mark, wovon der eine Theil der Zinsen zur Anschaffung der Kerzen in der Synagoge und der andere Theil für Verrichtung eines Gebetes an! Sterbetage dcS Testators verwandt!verdau soll; 3) das Schlome Wolfs Banner'sche Legat von 90 Mark; 4). das David Tuch'sche Legat im. Gesaiumtbctrage von 3900 Mark; die Zinsen, 135 Mark jährlich, werden in bestimmten Betrügen stvo Hülfsbcdnrftige in Jerusalem, zum Unterrichte armer Kinder, für hiesige Arme, für den Gemcindcdicirer und für den Gcmeindekantor vcrtheilt; 5) das Aron Thonsch'schc Legat von 300 Mark; 6) das Weiser Gabricl'sche Legat von 450 Mark; auch die Zinsen dieser Legate werden für die Verrichtung von Gebeten am Sterbetage der Testatoren verwandt; 7) das Lewin Hirsch Jassü'schc Legat von 3000 Mark, deren Zinsen zur Ausstattung armer Bräute auSgcgrbm »?erben und 8) das Leiser Zerkowski'sche Legat von 600 Mark, für dessen Zinsen der Gcmeinderabbiner um Sterbetage dcS Verstorbenen Gebete zu verrichten hart. W. Oesterreich-Ungarn. 6. Papa. Das Wiedcrerscheium des ״Icschurun" wird sicherlich uirgeits freudiger begrüßt, als von den intelligenten Kreisen Ungarns, welche in der Thal dadurch einen lange gehegten Hcrzensirunsch erfüllt sehen. Wir entbehren schmerzlich eines Orgaies, welches gewillt und berufen ist, für nufere, der gesetzestreuen Israeliten, Interessen auf den Plan zu treten. Wir bedürfen eines auswärtige!: Srgans, welches, frei 1>D11 beut kleinlichen Getriebe der Parteien und über dcuplben stehend, mit Unparteilichkeit und Ernst unsere Sache führt. Es ermangelt uns eine von Allen a!!erkannte Leitung, welche mit Verständnis; und Geschick die Zügel ergreifen könnte. Wir cinpsinden dieses schlirnzlich sowohl für unsere äußeren, wie unsere innerem Angelegenheiten; und zwar in diesem Augenblicke um so tiefer, je mehr die ungarische Indcnsrage ihrer Lössing entgcgenharrt und je verwickelter sic sich gestaltet. Politik, Handel, Verkehr, Gewerbe, Wissenschaft — AlZes steht in Ungarn mit dieser Frage in Verbindung. -- Erlassen Sie mir

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