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Jeschurun · 1883-01-18 · Heft 3 (18.1.1883) · p. 44

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 3 (18.1.1883)
Article
Deutschland : Bayern [Nachricht]
Date
1883-01-18
Page
44 (sequence 2)
Language
German
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die Wurzel jener ächten Frömmigkeit sei, welche in der gewissenhaften Beobachtung aller für das Leben bestimmten religiösen Normen ihre schönste Blüthe zeitigt. Und wahrlich, sie hatten nicht vergeblich gewirkt. Ihre Schüler pflegten als Rabbiner, Lehrer und wackere Gemeindeglieder den von ihnen empfangenen Geist und trugen ihn in die Gemeinden, deren Institutionen im Sinne und nach dem Diktate des NcligionSgcsetzcS sorgsam gepflegt und weiter entwickelt wurden. So gewahrte ein großer Thcil der Gemeinden in Bayern noch lange daS Bild altjüdischer GesetzcStreue, während sie z. B. in Würtemberg bereits der Tummelplatz einer Alles zerstörenden Reformsucht geworden waren. In den Hausern herrschte die alte, fromme Sitte; in der Schule fand der Thorageist seine Stätte; in der Gemeinde waltete die alte Gewissenhaftigkeit, welche מהימה* und ,מקוד, sowie alle sonstigen Institute in Uebereinstimmung mit dem NeligionSgcsctze erhielt. Die Spuren dieser Vergangenheit sind auch jetzt noch nicht ganz verwischt. Die ältere Generation, deren Kinderjahre in jene Zeit fällt, hat sich das Vermächtniß derselben meistens treu bewahrt. In denjenigen Gemeinden, deren Lehrer anS der Schule jener Tage hervorgegangen, wird vielfach auch daS jüngere Geschlecht noch jetzt zu einem gleichen gesetzeStrenen Leben herangebildet. Aber in vielen Kreisen ist eS anders geworden. In vielen Kreisen der bayerischen Gemeinden ist der Geist des Abfalls cingezogen und gewinnt bei der jüngeren und jüngsten Generation immer mehr Boden. Während der Vater und die Mutter מדקדק במצות sind, übertreten deren Söhne und Tochter die heilichsten Gebote und haben sich loSgesagt von den Sabbath-, Ehe- und Spcisegesetzen, nicht achtend der Mahnung und des Beispiels ihrer Eltern. Und fragen wir nach der Ursache dieser betrübenden Erscheinung, nach dem Grunde der wehinüthigen Erfahrung, ,daß mit der Abrogation des spezifisch jüdischen Gesetzes auch daS allgemein gültige Gebot der Kindesliebe und der Ehrfurcht vor den Eltern von dem jüngeren, sich aufgeklärt dünleudem Gcschlechte anscheinend als veraltet und nicht mehr gültig betrachtet werden konnte, so mögen allerdings verschiedene Faktoren hierbei Mitwirken. DaS aber läßt sich nicht verkennen, daß der Schule ein wescntlicher Antheil daran gebührt. Wie ihr der Kranz der Anerkennung für die vormalige GesetzcStreue nicht streitig gemacht werden kann, so kann ihr die Mitschuld an dem heutigen Abfall nicht abgesprochcn werden. Seit zwei Dezennien lichten sich immer mehr die Reihen jener thorakundigcn Schulmänner, welche durch Lehre und Beispiel die Jugend für daS Indenthum zu gewinnen wußten; und diejenigen, welche an deren Stelle getreten, sind leider nicht immer befähigt, für die Gegenwart das zu leisten, was jene in der Vergangenheit vermochten. Fern sei eS von uns, den wackern, berufseifrigen, und berufsgeschickten Männern, welche auch heute noch den bayerischen Lehrerstand zieren, zu nahe treten zu wollen. Diese gerade werden uns beipslichten, wenn wir über die Schule der Gegenwart klagen; diese gerade werden mit uns freudig dahin streben, die bessernde Hand an diejenige Institution zu legen, auf welcher die Hoffnung für die Zukunft beruht. Wenn wir demnächst versuchen wollen, unsere Gedanken über eine Reform der jüdischen Schule in dieser Zeitschrift auszusprechen, so hoffen wir, daß sie nicht ganz ohne Zustimmung bleiben werden. * Hamburg. Das Resultat der nunmehr beendeten Neprüsentantcnwa'hlen für die deutsch-israel. Gemeinde ist folgendes: Es sind gewählt a. durch Minoritätswähl: 3s. I. Alexander, Zs. Emanuel, Emil Frankfurter, Joseph Levy, Lcvin Lion, Hirscls'Nathan, Loniö Wolfs, I). durch allgemeine Wahl: Jakob Reiß, Wilhelm Rosenbacher, Fcrd. S. Cohn, N. I. KarpclcS, Joseph Jkle, Julius I. SeckelS, Max M. Bauer, Moritz Stavenhagen. In der an: 7. d. M. stattgehabten konstituirendcn Versammlung wurden gewählt: Zum Vorsitzenden Js. Emanuel, stellvertretenden Vorsitzenden Emil Frankfurtcr, Schriftführer Ferd. S. Cohen. -- Bei dieser Gelegenheit mag eS angcthan sein, kurz auf unsere hiesigen Gemeindevcrhältnisse zurückzukommen. Es ist in derselben die Verwaltung für das Armen-, Unterrichts- und Vegrübnißwescn streng getrennt von den Kultusangelegenheiten. Die Fürsorge für die crsteren Institutiouen hat die deutsch-israel. Gemeinde, während für den Kultus in der Gemeinde durch zwei selbstständige, von der Gemeindeverwaltung unabhängig geleitete Kultusverbände unter dem Namen Synagogen- Verband, und Tempel-Verband gesorgt wird. An der Spitze der deutsch-israel. Gemeinde*) stehen ein Vorstands- und ein Ncpräsentautcn-Kollegium. Der Vorstand zählt 7 Mitglieder. Die Neuwahl vollzieht sich auf Grund eines von Vertrauensmännern des Vorstandes und des Nepräsentanten-Kollegiums angcfcrtigten Wahlaufsatzes, jedoch unbeschadet der Wahlfreihcit, gemeinschaftlich durch die beiden VcrwaltungSkörperschaften. Das Re- Präsentanten - Kollegium besteht aus 15 Mitgliedern, welche alle 3 Jahre neu zu erwählen sind. Die Wahl der Repräsentanten geschieht durch sogenannte Minoritätswählen und allgemeine Wahlen. Die ״Minoritätswählen" gehen in der Weise vor sich, daß jeder Wühler einem Kaitdidaten durch Unterschrift seine Stinnne zu geben hat; und gilt Derjenige als gewählt, welcher */ ir, der Zahl der stimmberechtigten Gemeindemitglieder an Unterschriften auf sich vereinigt. Wenn auf diese Weise weniger als 15 Repräsentanten gewählt sind, *) Außerdem besteht eine Portugiesische Gemeinde. '

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