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Jeschurun · 1883-01-18 · Heft 3 (18.1.1883) · p. 39

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 3 (18.1.1883)
Article
[Nachricht]
Date
1883-01-18
Page
39 (sequence 2)
Language
German
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auch der Verfasser mit vollem Rechte, können wir nur entwaffnen, wenn wir durch die Heilighaltung der Satzungen des Judcnthumö uns zu einer sittlichen Würde erheben, die Respekt gebietet und Hochachtung sich erzwingt. Der Talmudjude. Reden von Dr. Ad Jellincck. Wien. 1882. D. Löwy. Zur Abwehr der gegen den Talmud erhobenen Anklagen, welche sich namentlich auf das bekannte Nohling'sche Pamphlet ״der Talmudjude" berufen, sind in Oesterreich, wo die antisemitischen Hetzereien etwas später als in Deutschland auftauchtcn, verschiedene Brochürcn zur Abwehr und Ausklärung erschienen. Zu diesem zählen auch diese Reden. Wenn wir sonst den religiösen Standpunkt des Verfassers nicht theilen, so sreuen wir uns umsomehr, in diesen beiden Vorträgen einer gerechten Würdigung des Talmud zu begegnen und wünschen, daß dieselben ihren vornehmlichen Zweck, den Zuhörern Achtung vor dem Talinud einzuflößen und ihnen eine Masse zur Widerlegung der unwahren Beschuldigungen in die Hand zu geben, erreichen werden. Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Ariedrich AoLt. I. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) Auch Frau Lewin legte ,.Die leuchtende Lampe" bei Seite und griff nach ihrem Gebetbuche. Nahe! jedoch, die ehedem die Sabbathuachmittage in Gesellschaft einiger Freundinnen zu verbringen pflegte, hatte die Gewöhnheit, das Minchagebet gleich nach bcnt Mittagessen zu verrichten. Während die SOJalter in lautlosem Gebet versunken war, lehnte sie im geöffneten Fenster und schaute hinab in den Garten, in welchem sie so nianche glückliche Stunde an der Seite jenes Unwürdigen verbracht. Ein halb unterdrückter Seufzer stahl sich über ihre Lippen. — Wie ganz anders gestalteten sich jetzt ihre Zukunstspläne und ihre Hoffnungen. — Freilich, in gewisser Hinsicht war dieser Umschwung ein überaus günstiger. Die Verhältnisse des Gemcindcschächterü waren sehr bescheiden, die des reichen Lederhändlers im Ghetto geradezu glanzend. — Aber jenen hatte sie geliebt mit der ersten Glnth ihres Herzens — und diesen — mußte sie erst lieben lernen. — Freilich hoffte sie mit Zuversicht, daß eS ihr gelingen werde, ihn zu lieben. Sein AeußereS hatte zwar wenig Bestechendes, aber er war ja so gut und brav. Er liebte sie so innig und hatte ein unbcgrcnzcs Vertrauen zu ihr — 0 gewiß, cS werde ihr gelingen, ihm eine licbmde Gattin zu sein. Aber ihre Verlobung schien ihr dennoch überstürzt. Ihre Eltern hatten sie zwar durchaus nicht gezwungen, aber durch freundliches Zureden allerdings ihren Entschluß zu lenken gewußt — und wenn sie alle Umstände nochmals in Erwägung zog, so war ja auch alles gut. — Aber sic fühlte sich abgespannt und erregt; Einsamkeit erschien ihr Bedürsniß. Leise, um die betende Mutter nicht zu stören, öffnete sic die Garteuthür und trat ins Freie. Mild umfächelte sic die.frische würzige Luft, während sie träumerisch dahin schritt zwischen den blnmigcn Beeten, und freier und leichter hob sich ihre Brust. Da vcrnahm sie plötzlich ein halb unterdrücktes Schluchzen. Horchend blieb sie stehen und schaute um sich. Sic gewahrte keinen Menschen; sollte sie sich getäuscht haben? — Doch horch! wiederum jener trübe Ton aus der Richtung von jener Nasenbank unter dem Aprikosenbäum, wo sie so oft seinen Reden gelauscht. — Einen* Augenblick zögerte sie, wie in einer Art abergläubischer Scheu, doch gleich darauf ermannte sic sich und eilte hastigen Schrittes um die Iohannisbcerhecke, welche die Nasenbauk ihren Blicken entzog. Sic hatte sich nicht getäuscht, je näher sic kam, desto lauter vernahm sie das Weinen! Und jetzt erblickte sie auch dort unter dem Aprikosenbaum, ausgestrcckt im hohen Grase, die Gestalt eines jungen Mädchens, fast noch eines KindeS, von kaum fünfzehn Jahren, das das Antlitz in dem Nasen barg. ״Um Gott, Mirjam! was ist geschehen? warum weinst Du?" rief Rahel voll Schrecken. Die Angeredete richtete sich auf und war sichtlich bemüht, ihren Thräuen Einhalt zu thun, doch kein Wort kam über ihre bebenden Lippen. Nahe! ließ sich neben sie nieder im Grase und schlang ihren'Arm um sie. ״Mirjam, ich bitte Dich, sage mir, was Dir ist; warum weinst Du? die Mutter ist doch nicht wieder krank?" ״Nein," flüsterte die Kleine den Kopf schüttelnd, ״Mutter ist Gottlob gesund." ״Gottlob!" stimmte Nahe! bei, ״aber warum weinst Du? fehlt Deinem Vater etwas? oder einem Deiner Brüder? Alles nicht? — Ja, du lieber Gott! dann kann ich's nicht errathen. Komm, Mirjam, sei ein gutes Kind und sage mir was Dir ist." Aber das Kind schüttelte heftig das schön geformte Köpfchen, und in dem lieblichen Antlitze zuckte es auf's Neue wie von verhaltenem. Weinen. ״Du willst es mir nicht sagen? — Aber Du weißt doch, wie gern ich Dir helfen möchte." ״Aber Du kannst mir nicht Helsenschluchzte

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