Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1883)
- Article
- Die Wiederbelebung des Hannoverschen Landrabbinats
- Date
- 1883-01-18
- Page
- 38 (sequence 2)
- Language
- German
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hin" zu engagiren; der, wenn er den Einen eine 1 Konzession macht, zugleich den Andern auch etwas zu bieten weiß. Allen diesen und ähnlichen (Stimmen, welche laut werden können, setzen wir die bestimmte, ernste Forderung entgegen: Wählt einen ganzen Mann, der von der Wahrheit und Unverbrüchlichkeit des ganzen jüdischen NeligionsgcsetzeS, zu dessen Lehrer und Vertreter, Hüter und Wächter sein heiliges Amt ihn beruft, innig überzeugt, keine andere Ausgabe kennt, als diesem gerecht zu werden und deshalb mit überzeugendem Eifer und aufrichtigen: Ernst entschieden in Rede undThat für das ganze unverkürzte Iudenthum cinsteht. Den Einen erwicdcrn wir: Wir erkennen ben Unter־־ schied zwischen wissenschaftlicher und religiöser lieberzeugung nicht an. Wir wollen keinen Rabbiner, in dessen Brust zwei Seelen weilen, dessen Herz zwiespältig auf- und niederwogt, der ein Anderer ist mit der Feder und ein Anderer mit dem Worte, der in dem Gelehrtenmantcl skeptisch zweifelt und in dem Ehorrock ״gläubig" ist. ES gicbt nur Eine Wahrheit, nur Eine Ueberzeugung; wer vorgiebt, deren zwei zu haben, hat gar keine. Der ehrliche, redliche Mann bekennt sich ehrlich und redlich zu seiner Uebcrzeugung, und wenn ihm Gottcswort und Prophctenwort und religionsgesetzlichc Norm nicht in Wahrheit Wort Gottes und von Gott den Propheten mitgetheilte Verkündigung und unvcrbrüchliches Gesetz gelten, so leistet er lieber Verzicht auf Amt und Pfründe, als sich ״Diener der jüdischen Religion" und ״Verkünder und Lehrer des Gottes- und ProphetcnwortS" zu nennen. Dann läßt er sich ein Genüge sein an dem Lorbeer, welchen ihm die Freunde und Verehrer seiner Wissenschaft reichen mögen; er verschmäht es aber, ein Amt zu olkupiren, zu welchem ihm die unerläßliche Vorbedingung, die rechte Gesinnung, fehlt. Denn auch der gelehrteste Kenner der hebräischen Sprache und der biblisch -talmudischen Wissenschaft ist völlig unfähig für das Rabbineramt, so ihm Lehre und Gesetz nur Gegenstand seines Studiums sind, so das Iudenthum — und Iudenthum uinfaßt das ganze Gesetz, wie cs in den vier Büchern des Schulchan- Aruch für die praktische Verwirklichung kodisizirt und nach dieser Norm auch bis in die Gegenwart thatsächlich zur Ausführung gelungi ist — ihn: nicht der ewig frische Baum des Lebens ist, dessen sorgsamste, gewissenhafteste Wartung und Pflege die einzige Aufgäbe seines Lebens bildet, auf daß in allen Kreisen seiner Gemeinde er zur vollen Blüthe und Fruchtzeitignng gelange. Nicht der Ruhmeskranz der Gelehrsamkeit ist die höchste Zier und der strahlendste Schmuck deS Rabbiners, sondern dessen ״rühnte er sich, wenn er sich rühmen will," daß unter seiner Führung, in Folge seiner Begeisterung und unermüdlichen Thätigkeit in den Herzen seiner Gemeindeangehörigen die Liebe und Verehrung für das heilige Vätcrerbe lebendig ist, und deren Gottesfurcht sich in der Gewissenhaftigkeit ktntd giebt, in welcher alle Momente des Lebens sich nach den Vorschriften des Gesetzes regeln, so daß in der Küche unb in dem Bureau, im Hause und auf der Reise jene altjüdische Frömmigkeit walte, die bei jedem Schritte sich fragt: was erheischt das Gesetz, was ist מתר, was אסור, was ist erlaubt oder verboten. Einen solchen Geist der Treue und des Gehorsams, diese ächte, wahrhaftige Gottesfurcht,, vermag aber nur der Rabbiner zu erzeugen, der selbst von ihm beseelt ist, der selbst in Gesinnung und That das Vorbild für solche Treue und solchen Gehorsam seiner Gemeinde bietet, der selbst mit jeder Faser seines Wesens nf dem Boden des gesctzestreuen Judenthums steht. (Fortsetzung folgt.) WcheWu. תורת החינך לבני ישראל ErziehtmgSlehre für Israeliten von Israel Singer, autor. Rabbiner und Lehrer zu Sütorolja-Ujhely (Ungarn). Selbstverlag des Verfassers. — Ein anspruchloses Merkchen, welches sehr geeignet ist, für eine religiös-sittliche Erziehung eine praktische Anleitung zu gewähren, wie es der Verfasser beabsichtigt. Es enthält manche höchst werthvolle Winke für Eltern und Lehrer. Mag man auch nicht in allen Punkten mit dem Verfasser übereinftimmeu, wie Z. B. über das Kapitel der öffentlichen Prüfung u. A., so ist doch dieser Erzichuugslehre eine recht weite Verbreitung zu wünschen. Sie ist durchaus danach angethan, belehrend und anregend zu wirken. Die modernen Anklagen gegen das Jildenthum als falsch nachgcwiesen, eine Rede von Dr. L. Münz, Rabbiner in Kempen. :1882. Kommissionsverlag I. Kausfmann. Frankfurt a. M. — In beredten Worten widerlegt der Verfasser die Anschuldigungen der heutigen Judenfeinde, in deren Auftreten er nur die Wiederholung des alten Judenhasses, wie er in Haman's Anklagen sich kund giebt, erblickt. Er weist nach, wie das 311bv»i״}iüu Vawrlüudö- und allgemeinste Menschenliebe lehrt; wie cS, weit entfernt von einem engherzigen Partikularismus, im Gegensätze zu dem ausschließenden ״Außer mir kein Heil" von der Ucberzeugung durchdrungcn ist, daß alle tugendhaften Menschen der ewigen! Glückseligkeit theilhaftig sind; wie in den Ideen deS j IndenthuntS die Aufforderung liegt, an der Ent- : Wickelung des staatsbürgerlichen Lebens, an der För- : derung von Kultur und Wissenschaft den regsten Antheil! zu nehmen. Den Haß unserer Gegner, mahnt aber