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Jeschurun · 1883-01-11 · Heft 2 (11.1.1883) · p. 28

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 2 (11.1.1883)
Article
Deutschland [Nachricht]
Date
1883-01-11
Page
28 (sequence 2)
Language
German
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universelle die Aufforderung zur Konstitnirung eines Lokal-Komite's zum Zweck der größeren Verbreitung der menschenfreundlichen Ziele des genannten Vereins. Herr I)r. Pleßncr unterzog sich dieser Aufgabe mit der ihm eigenen Begeisterung und versammelte die hierorts zum Verein gehörigen Mitglieder — 25 an der Zahl. — Das langjährige Mitglied, Herr Stadtverordncter Kirschmr, wurde als Vorsitzender deS zu gründenden KomiteS einstimmig gewählt. Im Verein mit demselben warb Herr Dr. Pleßncr 23 neue Mitglieder an, so daß aus der hiesigen Gemeinde 43 Mitglieder dem Verbände angehören. Die Bereitwilligkeit, mit welcher dieselben ihren Anschluß erklärten, verdient eine um so größere Anerkennung, als unsere Gemeinde nicht zu den wohlhabendsten zählt und hier selbst nicht weniger als fünf Vereine bestehen, deren Aufgabe ausschließlich die Unterstützung der Armen und Nothleidenden ist. H. AuS dcrLanddrostci Stade. Bis zum Jahre 1845 gehörten die Synagogeugcmeindcn dcrLanddrostci Stade gar keinem Rabbinat an. Damals wurde jedoch der 1660 verstorbene Dr. Heilbut zum Landrabbiner gewählt. In Erwägung der geringen Zahl der Juden, welche sich auf 15, meist kleine Gemeinden verthcileu, sah man jetzt wiederum von der Anstellung eines eigenen Rabbiners, für dessen auskömmliche Besoldung die aufzubriugendcn Mittel als ungenügend erschienen, ab und übertrug die kommissarische Verwaltung des Nabbinats dem Laudrabbiner Dr. Meyer zu Hannover auf drei Jahre und von da ab bis auf Weiteres, was bis zum Ableben desselben währte. Behufs Wiederbesetzung der jetzt erledigten Stelle gab das Ober- Präsidium der Provinz den Gemeinden anheim, sich für die fernere kommissarische Verwaltung derselben durch den zukünftigen Laudrabbiner in Hannover auSzusprcchcn. Eine freiwillig zusammengctreteue Konferenz entschied sich in ihrer Majorität dahin: a. daß aus pekuniären sowohl wie sonstigen Gründen die Anstellung eines eigenen Rabbiners nicht thnnlich erscheine; 1). daß die kommissarische Uebcrtraguug des Amtes an einen erst von anderer Seite zu ernennenden Rabbiner, auf dessen Wahl man gar keinen Einfluß habe, bedenklich sei, daß cS sich darum e. empfehle, den Stader Bezirk dejiuitiv an Hannover-Lüneburg anzuschließcn und zwar vor der Wahl des LandrabbincrS, damit die Gemeirden der Landdrostei Stade in gleicher Weise wie b'tübrigen bei der bevorstehenden Wahl Mitwirken könnten und wie diese zu den Kosten deS LandrabbinatS beitrügen. Obgleich die Landdrostei zu Stade diesen Antrag befürwortete, so müssen wohl andere Erwägungcn bei dem Herrn Oberpräsidmten angeregt worden sein, da derselbe an: 23. November v. I. reskribirte, daß die GcschäftSlast des LandrabbinatS zu Hannover bei der großen Stadtgemelnde und den ihm bereits unterstellten 50 Landgemeinden nicht noch vergrößert werden dürfe und deshalb sowohl von einer definitiven, wie auch kommissarischen Verwaltung des Stader NabbinatS durch das Hannoversche abgesehen werden müsse. Die Landdrostei schlug in Folge dessen den Gemeindcn vor. sich dem Landrabbinat HildeSheim oder Emden definitiv oder provisorisch anzuschließen. Eine Delcgirteuversammlung der 15 Stader Gemeinden ist zur Beschlußfassung auf den 3. Januar nach Sch arm deck einberufen worden. Oesterreich-Ungarn. Wien. Während der Antisemitismus üppig wuchert, haben wir von einem Werke der vorurtheilsfreien Menschenliebe zu berichten, welches ein edler jüdischer Bürger geübt hat. Baron Albert von Rothschild hat zur Gründung eines Asyls für verwahrloste und verlassene Kinder aller Konfessionen und Nationalitäten zu Wien die reiche Gabe von 150000 Gulden der Wiener Kommune überwiesen. Der Gcmcinderath hat dieselbe mit Dank angenommen und den Bürgermeister beauftragt, dem hochherzigen Stifter Namens der Stadt Wien persönlich seine Anerkennung auSznsprechen. Vrody. Die Thätigkeit deS hiesigen KomiteS zur Unterstützung der rusischcn Flüchtlinge hat ihren Abschluß gesunden, indem die letzten derselben nach ihrer Heimathzurückgesaudt worden sind, lieber 15000Personcn wurden hier cxpedirt. — Die Verurteilung deS wegen Mordes angeklagten Ehepaars Ritter aus Lutcza erregt überall Aufsehen und erfüllt namentlich die jüdischen Kreise mit Schrecken. Nach dem dürftigen Belastungsmaterial hatte man eine Verurtheilnng für unmöglich erachtet. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist angemeldet und gewährt die Hoffnung, daß die GerechtigkcitSpflege vor einem jedenfalls möglichen vcrhänguißvollen Jrrthnm geschützt wird. Prag. Nach der ״N. Fr. Pr." hielt der czechische Professor der Theologie Dr. Corcovy in dem unter Vorsitz des Grasen Karl Schönborn tagenden ״katholisch-politischen Verein" einen Vortrag über die Schulgesetz-Novelle und hob besonders als Vorzug derselben den Umstand hervor, daß nunmehr lucber Proteftauten, noch Inden an katholischen Schulen würden unterrichten können. Der Stadtrath von Jglau werde jetzt die dreizehn an den dortigen Schulen wirkenden jüdischen Lehrer entweder taufen oder durch andere ersetzen lassen müssen. Prestbnrg. Der Obcrrabbiucr Schreiber hat im Einverständnisse mit anderen ungarischen Vertrauensmännern durch seinen Bruder, dem durch feine Thätig-!eit für die jüdischen Interessen rühmlichst bekannten

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