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Jeschurun · 1883-01-04 · Heft 1 (4.1.1883) · p. 12

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 1 (4.1.1883)
Article
Deutschland : Köln [Nachricht]
Date
1883-01-04
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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12 könnte, und darum gönnten sie sich keine Rast und keine Ruhe, in Seinem Dienste zu schassen und zu streben. Ein solcher ״Gerechter" ist von uns ijc{dücbcn; ein so lebe r Mann, Meister in der schwierigen sinnst des Gebens. Hochbetagt, 6:; Jahre alt, ist Herr I. M. Marx eingegangen in die Gefilde der Seligen, zu seinen Genossen ״der Versammlung der Frommen" im Jenseits. Wie sein Herz für alles Gute und Edle schlug, wie es für alles Hohe und Heilige erglühte, also hatte der Entschlafene vor allem der Bildungsanstatt für israelitische Lehrer des Rheinländer seine hingebungsvollste Thätigkeit gewidmet. Er hatte es erkannt, dag von dieser Anstalt aus, einer Pflanzstätte echten Thora Geistes und Lebens, in weite Kreise hinein wahrhafte Gottesfurcht und wahrhaft jüdische Wissenschaft und Bildung getragen werde, dag darum für sic wirken die Erfüllung der hehren Aufgabe להרביץ תדדה und להחזיר עטרה לישנה umfasse. Und darum war er unermüdlich thätig, deren Bestand zu sichern, deren Zwecke zu fördern und deren Wirkungskreis zu erweitern. Er scheute keine Blühe, nicht die Beschwerlichkeit der Reise, um Mitglieder für den Verein zn werben, welcher die Erhaltung dieser Anstalt zum Zwecke hat. In jngendsrischer und jngendstarker Begeisterung verstand er cs wie Keiner, selbst Widerstrebende für seine heilige Mission empfänglich zit machen und sie zu Leistungen zn veranlassen. Eine seiner letzten Handlangen ans Erden war eilte reiche Spende für den intendirlen Bau eines Gcbändes für diese Anstalt. ,Mit Recht wandte Herr Rabbiner Dr. Plato in seiner Herrlichen Trauerrede auf diesen Edlen die Schriftstelle Samuel kl., ׳.?׳;,>, in der Auffassung Berachoth ltz an: ובניהו בן יהוידע׳יב; איש הי (קרי היל) רב 2עליט בוקבצאל hinweisend auf die eifrigen Bemühungen und die Spserwilligleit, die Marx für die Aufführung eines Seininargebäirdes noch fast bis zum letzten Athemztige bethätigt Halle, welches zur Aufnahme eitler großen Zahl von פועלים להורה, von dem heiligen Lehrerberufe im Dienste der Thora sich widmenden Jünglingen bestimmt ist; שרבה וקבץ פועלים להורה, wie er also gestrebt, die Zahl der für die Thora Wirkenden zu mehren und an der Stätte der Thorawisscnschaft zu versammeln; wie er בניה׳ לשון בנין also für den Ban dieses Hauses thätig gewejen zur Mchrting der Gottescrkenntnis; יהוידע לשון יריעה. Möge sein Andenken zum Segen bleiben, und dieser Segen sich darin bethätigeil, dag Männer alt seilte Stelle treten, tim in seinem Geiste, mit seiner Hingebung, mit seinem Eifer zu wirken.' 27. Nov. Ich habe Ihnen wiederum tief betrübt deil Tod eines Wackern, eines tinsercr Veteranen, der unerschrocken und tapfer, treu und standhaft die Standarte des JudcnthumS durch ein langes gesegnetes Leben hittdurch uns vorangetragen hat, anzuzeigen. Moses Abraham Benjamin ist nach einer80jährigen hieniedigen Pilgcrschaft zur ewigen Seligkeit cingegangcn. Die herrlichsten Tugenden zierten den Entschlafenen. Herzensgüte, Edelmuih, Milde, Karaktcrfcstigkeit, wahrhafte Bescheidenheit vereinigten sich in ihm zll einer harmonischen Erscheinung, die Allen unvergeßlich bleiben wird, welchen Moses Abraham Benjamin nahegcstanden. Er war der Stolz seines Kreises, geliebt und verehrt von Kindern, Enkeln nnd Frcnndcn. In dem Studium der Gotteslehre nnd in der praktischen Verwirklichung derselben durch fromme, edle Werke fand er seine höchste Befriedigung. Wahrlich, man kann von ihm mit Recht sagen: seine Tugenden bahnten ihm den Weg. auf welchem er eillzieht;mn ewigen Frieden, anszuruhen von des Lebens Mühen, thcilhaftig zn werden des beglückendsten Lohnes. Nvgasen, 2. KiSlew. Ein erhebendes Fest wurde heute hierorts sowohl Seitens der Verwaltung der jüdischen Gemeinde, als auch Seitens der städtischen Vertretung gefeiert. Der Kaufmann, Herr Marcus Kirschncr, ein hochgeachtetes Mitglied unserer Getncinde, feierte seilten 70. Geburtstag. Herr Kirschncr, der in seinen Iünglingsjahrcn zu den Füßen des großen unsterblichen Rabbi Akibah Egcr gesessen und so glücklich war, die fürs ganze Leben unverwischbaren Eindrücke dieses an Geist und Gelliüth so großen Mannes zu empfangen, erwarb sich durch biederen Karakter, Frömmigkeit und Hcrzensgüte, die allgemeine Liebe nnd Achtung, die nun an! heutigen Tage im reichsten Maße zum Ansdrucke kamen. Möge der ehrwürdige Greis unter dem Beistände Gottes noch viele Jahre in nngeschwächtcr Körperkraft nnd ungetrübter Geisteshelle, beglückt durch eine Freudenfülle au Kindern lind Enkeln, die Zierde seiner Mitbürgcr sein. Nbr. Di׳. Plcßner. A Aus der Nheinprovinz. Meine Feder fühlt, glaube ich. die Freude, mit welcher die Nachricht voll dem Wiedererscheinclt des ״Jeschurun" ihren Führer gepackt hat. Wenigstens hätte sic alle Ursache dazu. Denn die Freudenbotschaft hat sie sofort aus ihrem Verließ befreit, in welchem sie gänzlich einznrosten drohte. Ich wollte einen Bericht über die jüdischen Zllslälide unserer Provinz für den ״Jcschurnn" schreiben, und ließ wieder einmal meiner alten Feder freien Laus, nach Herzenslust zu produzircn, was sie für gut hielte, aber — sie war dieses nicht!nchr gewöhnt. Ob sie an die vielen Artikel gedacht hat, die die Papierkörbe verschiedener Redaktionen füllen, weil sic sich so gab wie sic war: schroff, eckig, heftig, aber — ehrlich? In der That צדקה טטני, sie war ehrlicher als ich! Wie oft habe ich ihr ins Gcmüth geredet, die Hörner nnd Ecken sich endlich abzulausen; einen sanften,

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