Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 385 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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i Bon H..385 ׳ es ist ihr dringend nothwendig, sie hat ja während der ganzen Krankheit des Kindes kein Auge geschloffen." ״Arme, arme Frau!" jammerte die gutmüthige Alte, ״und der Herr, wie erträgt denn er es? er hat schon heute Morgen ausgesehen, als sollte man ihn selber begraben." Der Doktor murmelte einige halbverständliche Worte von Ergebung und dergleichen und trieb sie dann an, seinen Auftrag zu vollführen; er selbst aber suchte den Hausherrn auf, um mit ihm das Weitere zu verabreden. Alles ging nach Wunsch, selbst daß Giuditta am folgenden Tage sich in einer nervösen Abspannung befand, die es ihr nicht nur unmöglich machte, das Bette zu verlassen, sondern auch die größte Ruhe erforderte, konnte man als erwünscht betrachten; denn ihrem leichten offenen Temperament wäre es doch nicht möglich gewesen, einen heftigen Schmerz zu äußern, den sie nicht empfand. So aber lag sie fast beständig mit geschloffenen Augen, das konnte nicht Verdacht erregen. In dem Kinderzimmer auf dem Fußboden lag Gianna heftig weinend; vergebens bot der kleine Leo alles auf, sie zu trösten, unwillig stieß sie ihn zurück, er war ja nicht ihr Liebling, ihr Liebling war dahin, und sie selbst klagte sich an, seinen Tod verschuldet zu haben, denn zu spät hatte sie bedacht, daß in jenem Kloster, in dem sie die Kleine hatte taufen lassen, ein Blatternkranker sich befunden. So viele Klöster gab es in Ferrara, hatte sie auch gerade dieses wählen müssen, in trostloser Verzweistung stieß sie mit der Stirn an den Boden und zerraufte sich das Haar. — Eben hatte sie erfahren, daß die Beerdigung auf den kommen Tag bestimmt; jetzt erst siel es ihr ein, daß ihr schönes Kind, deffen Seele sie so glücklich vor ewiger Verdammniß gerettet, in ungeweihter Erde ruhen sollte. Der Gedanke war ihr unerträglich, nein, das konnte, das wollte sie nicht dulden. Entschloffen sprang sie auf und verließ eilenden Schrittes das Haus. Mehrere Stunden vergingen, bevor man sie vermißte, dann erst berichtete der Kleine, sie habe viel und stark geweint, und habe immer sein Schwesterchen gerufen, zuletzt sei sie aufgesprungen und fortgelaufen. — Die Nacht brach herein, Gianna erschien noch immer nicht, die Köchin sprach ihre Befürchtung aus, sie könnte in