Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 10-12 (Juli 1868)
- Article
- Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen
- Date
- 1868-07-01
- Page
- 369 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932987-2932995-2951356--11222-2951439- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rundschau im Gebiete jüdischer Interessen. cher und mündlicher Lehre mit den Gessroth und Thekanoth unserer Weisen, wie es in den religionsgeschlichen Codices in unseren Händen ist und von unseren Vätern und uns thatsächlich zur Aussührung gebracht worden und wird unantastbar und die einzige Norm für die ganze Gestaltung unseres öffentlichen und Privatle-- bens in aller und jeder Beziehung ist — und dieses Judenthum und diese Ueberzeugung zu bethätigen, und unseren Nachkommen zu vererben — das ist dasjenige, was wir wollen, was wir als heilige Pflicht anerkennen. — Das ist vor aller Welt klar und offen bekannt. Seid Ihr anderen Glaubens, wohlan, so verkündet es eben so laut und offen und klar und sucht mit Euren Genossen diesenige Lehre durch die Thai zu bekräftigen, für welche Ihr ebenso hingebend wie wir, Alles einschen wollet. Aber uns die Berechtigung der Existenz abzuleugnen, uns zu verdächtigen, als ob wir die vom Gesetze Abgefallenen, Ihr aber die treuen Anhänger des Jndenthums seid, uns als Friedensstörer der Welt vorzuführen, während Ihr das Schisma in jüdische Kreise verpflanzt habt, — das ist vor jedem Tribunale, das nach Recht und Gewissen urtheilt, als unehrenhaft, als unsittlich verurtheilt. Herr vr. Kohut hat nun in seiner angeführten Rede es un« ternommen die Gesetzestreuen als die Gesetzesverächter, ja selbst als todeswürdige Verbrecher zu brandmarken. — Nach ihm ״liegt die Wahrheit in der Mitte". Dieser vielfach mißbrauchte und mißverstandene Satz ist aber in dem gewöhnlich angeführten Sinne eine große Lüge. — Zwei Mal zwei ist Vier — nicht Drei sieben Achtel und nicht Fünf. — Wahrheit ist eben Wahrheit und Wirklichkeit und nicht ein Compromiß zwischen zwei Unwahrheiten. Wie in aller Welt will aber der Redner es rechtfertigen, wenn er von Männern, die fest und entschieden der von ihm als ״Wahrbeit" angewiesenen ״Mitte" gegenüber, die eben nach ihrer Ansicht eine Lüge ist, die nach ihrer Ansicht ein bewußtes Abgehen von der Wahrheit und deren Anerkennung somit eine Unsittlichkeit wäre, die von ihnen erkannte Wahrheit entgegensteüen — wie kann er es vor Gott und der Welt verantworten, wenn er sich nicht entblödet, von diesen Männern, die offen und ehrlich die von ihnen erkannte Wahrheit aussprechen und brthätigen an geheiligter Stätte folgender Maßm zu spncherr;