Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 7-9 (April 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-04-01
- Page
- 280 (sequence 2)
- Language
- German
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280 Angel«. Kind in Begleitung ihres Sohnes unverzüglich über die Grenze zu bringen. Sollte die Tante jedoch hieran verhindert sein, so versprach Angela, es selbst in Begleitung des Sohnes unverzüglich über die Grenze zu bringen; daß Alberto durch irgend etwas sich abhaltcn lassen könnte, ihren Wunsch zu erfüllen, war undenkbar; kannten doch alle seinen glühenden Eifer für unsere heilige Religion. Wohin man sich daun wenden werde, das ließ sich ohne die Tante und Alberto nicht bestimme». Angela hielt eS für's Beste, nach Wien zu einem dort wohnenden Verwandten sich zu begeben — Inzwischen solle der Arzt bei dem angeblich noch immer todtkranken Kinde seine Besuche fleißig fortsetzen. Medikamente re. müßten beständig herbeigcschafft werden und zwar so lange, bis es dem Arzt gelingen werde, in Besitz einer Kindesleiche zu kommen. Habe man diese, so müsse erklärt werden das Kind sei der Krankheit erlegen; es müsse beerdigt werden, und die Eltern alle Trauergebräuche auf's genaueste beobachten. Dann aber sei auch alles gewonnen. Ob die Eltern bald darauf in's Ausland zu ihrem Kinde übersiedeln, oder cs längere Zeit bei den Verwandten lassen wollten, darüber könne man sich später entschließen. Angela hatte im Geiste alles gcordnet. Alle Zweifel, alle Schwierigkeiten, die der Doktor und ihr Schwager einwandten, wußte sie zu widerlegen. Der Plan war kühn, aber er war der einzige, von dem sich mit Wahrscheinlichkeit hoffen ließ, daß er gelingen werde, und darum mußten die Eltern nach längerem Sträuben doch endlich darauf eingehen. ״Aber wenn nun die Taute sich nicht entschließen könnte, und du mit dem Kinde und Alberto eine so weite, gefährliche Reise unternehmen würdest, wie würde ich es vor Deinem Vater verantworten können, daß Du um meines Kindes willen dich vielleicht in Gefahr begiebst!" ״Thne ich es doch um meines Vaters Enkelin zu retten," entgeguete Angela auf diesen Einwand ihres Schwagers, ״mein Vater selbst würde mir beistimmen." Giudttta war bisher noch nicht km Stande gewesen, über das hochherzige Anerbieten ihrer Schwester sich zu äußern, nun aber umschlang sie diese heftig weinend. ״Rette mein Kind, rette es, ״flüsterte sic, ״nur du kannst es, o hätte ich früher —" Sie vermochte vor Schluchzen nicht weiter zu reden. Angela drückte sie fest an sich und sprach ihr Muth zu, sie hege hie zuver-