Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 14 (1867-1868)
- Issue
- Heft 6 (März 1868)
- Article
- Angela
- Date
- 1868-03-01
- Page
- 192 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Angela. weißt ja, wie vorsichtig unsere Mutter immer gewesen ist, und wenn ich nun deine Kleinen drei oder vier Stunden lang nicht sehe und du oft nicht einmal weißt, wo sie sind, da werde ich so unruhig und furchte immer, cs konnte ihnen ein Unfall zugcstoßen sein." ״Ich bin dir sehr dankbar für deine liebevolle Sorge um meine Kinder, aber ich versichere dich, sie ist übersiässig.' Gianna ist zuverlässig und treu, und alt geworden beim Kinöerwarten; wollte ich sic so strenge beaufsichtigen wie die jungen leichtsinnigen Mädchen sic würde mir keine Woche bleiben, und ich muß mich doch freuen, die Kinder unter ordentlicher Aufsicht zu, wissen, vorzüglich da ich selbst mich nicht all zu viel mit ihnen befassen kann; muß ich doch auch mit im Geschäfte sein, habe die Wirthschaft zu fuhren und au tausenderlei Dinge zu denken." Angela schüttelte mißbilligend den Kopf, ״würde ich doch lieder das Geschäft vernachlässigen, als die Kinder," wollte sie entgegneu, aber sic fürchtete die Schwester zu beleidigen und schwieg. ״Aber bist d» denn auch in der That von der Treue deiner Wärterin überzeugt?" Hub sie nach einigen Augenblicken wieder an. ״Vollkommen," erwiederte Giuditta, ״Gianna ist treu wie Gold, seit anderthalb Jahren ist sie in meinen Diensten und ich kann ihr durchaus nichts Uebles nachsagen. Ja, denke dir nur, vorigen Wintcr sind mir rasch hintereinander mehrere Werthgegenstände abhauden gekommen, vergebens ließ ich das ganze Haus durchsuchen, am meisten Verdacht hatte ich auf den Hausknecht, den wir auch bald darauf forischicktcn, in Gianna's Redlichkeit setzte ich keinen Zweifel. Als sic aber nach einigen Wochen von der Beichte nach Hause kam, beschwor sic mich mit Thranen in den Augen, ihr eine Unterredung unter vier Augen zu gewähren, und als sie sich allein mit mir befand, siel sic mir zu Füßen, gab mir einige von den vermißten Gegcnständen zurück, indem sie um meine Verzeihung flehte. Sie hatte dem Geistlichen gebeichtet, baß sie die Sachen entwendet und dieser hatte nur unter der Bedingung, daß sie dieselben zurückerstatte, ihr Absolution ertheilt." Angela kräuselte die Purpurlippen, ״einen besonderen Beweis von Treue vermag ich in diesem Benehmen nicht zu finden," ent-- gegnete sie achselzuckeud. ״Was am deutlichsten daraus spricht, ist