Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1867)
- Article
- Ein Wort zur Zeit
- Date
- 1867-06-01
- Page
- 322 (sequence 10)
- Language
- German
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322 Ein Wort zur Zeit. die unerschütterliche Beharrlichkeit, gegen die muthvolle Uebcrzeugungstreue, gegen die mannhafte eiserne Willensselbstständigkcit des orthodoxen Jisraels durchaus nicht unempfindlich und theilnahmlos sein. — Aber es ist nicht genug, daß ihr der hohen Landesregierung in Wort und Schrift die unbedingte objektive Berechtigung cnres religiösen Standpunktes nachweiset, sondern ihr müsset auch, wollt ihr anders ihres Wohlwollens und Schutzes wahrhaft würdig und — sicher sein, derselben untrügliche Garantien bieten für die Aufrichtizkeit und Aechtheit eurer patriotischen Gefühle und ungarufrcundliehen Gesinnungen. Das ungarische Volk verdient in hohem Grade vom Juden geliebt zu werden; und es versteht auch, des Juden liebevolles Entgegenkommen zu würdigen und zu schätzen. Das im־ garische Volk verlangt nachdrücklich von seinen jüdischen Söhnen innige Theilnahme und hingebungsvolle Liebe für seine nationale Sache, aber es weiß auch für Beweise wahren Mitgefühls und ungeheuchelter Treue dankbar und erkenntlich zu sein. Machet daher euren Ginfluß dahin geltend, daß die euren religiösen Anschauungen huldigenden Glaubensbrüdcr Ungarns, durch liebevolle Pflege der schönen Landessprache wie durch freudige Darbringung von materiellen und geistigen Opfern auf dem Altäre des geliebten Vaterlandes, den unzweideutigsten Beweis liefern, daß der wahrhafte gesetzeStrcue Jude dem Volke, in dessen Mitte er lebt, mit allen Pulsschlägen seines Herzens zugethan, und mit dem Hcimathlaude, dem Boden, auf dem seine Wiege gestanden, durch die heiligen Bande der Freundschaft und Liebe innig und unzertrennlich verknüpft sei. Möget ihr euch eifrig und lebhaft bemühen, cs dem erleuchteten hochherzigen Ungar- Volke klar und deutlich darzuthun, daß wie alle überkommenen Reltgionsgesctzc für den rechtschaffenen Juden verpflichtende und verbindende Kraft haben, ebenso auch jenes Gottcsgebot für ihn ein unverbrüchliches und unveräußerliches Heiligthum sei, welches uns vor Jahrtausenden an der Schwelle unseres Verbannungslebens, von gottbegeistertem Prophetenmnnde, gleichsam als Gelcitswort für die bevorstehende große Wanderschaft durch eine fremde theilnahmlvse Welt mitgcgeben worden, und da lautet: ״Suchet das Wohl des Landes, wohin ich euch geführt und flehet für dasselbe zum Ewigen: denn in seinen! Heile wird euer Heil begründet sein." (Jeremias, Ad, 7.)_