Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1867)
- Article
- Ein Wort zur Zeit
- Date
- 1867-06-01
- Page
- 320 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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82h Ein Wort zur Zeit. daß es sich nicht der unbedingtesten Anerkennung des erleuchteten ungarischen Ministeriums erfreuen dürfte. Wie der politische Fort« schritt darin besteht, daß man, im Falle eines Zusammenstoßes des Zeitgeistes mit den, durch von einer früheren Zcitrichtnng beeinflußte Menschen hervorgerufenen politischen Verhältnissen, diese Verhältnisse dermaßen nmgestaltc, daß sie dem Geiste und Bedürfnisse der gegenwärtige» Zeit Rechnung tragen und entsprechen, ebenso bekundet sich wieder der wahrhafte religiöse Fortschritt dadurch, daß man im Falle einer Colliston des Zeitgeistes mit den, von dem über Zeit und Raum erhabenen, der Zeiten Geist und Richtung beherrschenden und lenlenden allgegenwärtigen Gotte vorgeschriebenen Gesetzen und Aebungen, die Anforderungen des vergänglichen Zeitgeistes diesen, aus der Quelle der Gottesweisheit geflossenen Vorschriften accomodire und unterordne. Das durch leine äußere» Einflüsse behinderte, unbeirrte Fortschreiten auf der von Gott vorgezeichneten Bahn; das eifrige und ungestörte Ansnben der erhebenden Religtonögebote, und das dadurch bedingte und damit verbundene. Aufwärtssteigen auf der Stufenleiter der sittlichen Entwickelung und Selbsivcrcdelnng, das ist — der wahre und ächte religiöse Fortschritt. Diesen Grundsatz, der den Tragbalken und Angelpunkt des richtig aufgefaßten orthodoxen Judcnthnms bildet, werden hoffentlich die dem Fortschritte in der edelsten Bedeutung des Wortes huldigenden Magyaren gerne gelten lassen, und. daher die von gewisser Seite in tendenziöser Weise verbreitete Ansicht, daß der religiöse Stabilismus mit der Fvrtschrittsfeindlichkeit Hand in Hand gehe, mit aller Entschiedenheit zurückweise», und eure Bitte, um Schirmung und Begünstigung der geschichtlich überkommenen Religionsauffassnng und Religionsauöübun; in der ungarischen Judenschaft, erhören und huldreich erfüllen. Ungarn ist gerade das Volk, welches, vermöge der Beschaffenheit seines nationalen Charakters und seiner politischen Traditionen, für das orthodoxe Jisrael sich interefftren und in die Schranken trcten dürfte. — Ungarns Wollen und Wünschen und Streben hat, bei Lichte besehen, gar manche frappante Aehnlichkcit, gar manche in die Augen springenden Berührungspunkte nnt den Absichten und Skrebezielen der jüdischen Orthodoxie.— Der see!h.itsbcgeisterte Ungar kämpft und ringt mit allen Fasern seines Lebens für die Selbstständigkeit feiner Nation; er wirst freudig sein Leben in die Schanze, damit das un-