Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1867-03-01 · Heft 6 (März 1867) · p. 215

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 6 (März 1867)
Article
Risse
Date
1867-03-01
Page
215 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2932754-2932974-2932981-2950610--10536-2950655
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Von S... 215 jitnt Vorstände um zu bewirken, daß dieses Begräbniß in der altherkömmlichen einfachen Weise vor sich gehe. Aber der Vorstand crwicderte, er könne um den Eigensinn eines Einzelnen keine Ausnähme gestatten. Alle Bitten, alle Vorstellungen waren umsonst. Die Leute waren so empört, daß sie sich an die Behörde wandten, und um Lchutz nachsuchten gegen das gewaltsame Eingreifen des Vorstandes in die innersten Privatverhältnissc eines Gemeindemitgliedes. Aber die städtische Behörde erklärte sich für nicht kompetent gegen Statuten einzuschrciten, die von einer höhcrn Stelle genehmigt worden. Und am folgenden Tage — o Freund, noch blutet mir das Herz wenn ich daran denke, wie der schmerzgebeugte Vater schon im Zimmer von der Leiche seines Sohnes Abschied nehmen mußte, der er nicht einmal das letzte Geleit geben konnte, weil vor der Zimmerthür schon der Chor wartete um sie singend zu Grabe zu geleiten, und wie der alte kinderlose Mann den irdischen Uebcrresten des geliebten Sohnes nachstarrte und ihnen doch nicht folgen konnte." Er hielt ergriffen inne und allgemeines Schweigen herrschte mehrere Minuten. ״Aber was haben Sie, ich meine was haben die Orthodoxen Ihrer Gemeinde gethan nach diesem Vorfälle?" fragte Viktor dann und seine Stimme klang bewegt. Der alte Herr sah ihn verwundert an, ״Was wir gethan haben? Aber ich bitte Sie um Gottcswillen Freund, was hätten wir denn thun sollen, was thun können?" ״Also Nichts haben Sie gethan. Nichts, Nichts und immer Nichts," ries Viktor indem er den Kopf schüttelte und die Hand mit Heftigkeit an die Stirn preßte. ״Nein, Ihnen ist nicht zu helfen, weil Sie sich selbst nicht helfen wollen. ״ ״Sagen Sie nicht helfen können," fiel der Andere ein. Viktor zuckte die Achseln und schwieg. ״Aber etwas Interessantes muß ich Ihnen doch noch mittheilen," sing Herr Salomon nach einigen Augenblicken wieder an. ״Wie es in unserer Synagoge zugeht können Sie sich denken, und daß ein frommer Jnde an diesem sog. Gottesdienst nicht thetlnehmen kann, brauch ich Ihnen nicht zu sagen. Nun sehen Sie einmal

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.