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Jeschurun · 1867-02-01 · Heft 5 (Februar 1867) · p. 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 5 (Februar 1867)
Article
Risse
Date
1867-02-01
Page
172 (sequence 7)
Language
German
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4Ach bedauere, daß sie keine anderen haben, aber Stiefel, mit Wolle gefüttert und mit Zwirn genäht kann ich nicht gebrauchen." ״Wie heißt Sie können nicht? Sagen Sie Sie wollen nicht weil dev junge Herr hat gesakt er führt die nämliche Waar und giebt sie um den nämlichen Preis, darum wolle Sie sie kaufen von ihm. Aber ich sag' Ihnen, er wird fie Ihnen nicht geben um das Geld» oder feii Sach ist schlechter. Sie wer'n sehn er führt Sie an." Die jüngere der beiden Mädchen konnte stch nicht länger halten, fie brach in ein lautes Lachen aus und lief hinaus. Der Haufleer aber fuhr fort seine Waare anzupreisen und bot alles aus die Dame zu bewegen von ihm zu kaufen. ״Aber ich versichere Sie ich kann sie nicht verwenden, ich bin Jüdin, und es wird Ihnen doch nicht unbekannt sein, daß wir Kleidüng, die aus Wolle und Leinen besteht nicht gebrauchen dürfen." ,,Gehn Sie mir weck Madame, was kommt Ihnen bet heut zu Tage so altfränkisch zu reden. Reif ich doch durch die ganze Welt und geh' von Haus zu Haus zu Christen und zu Juden und verkauf mei Sach, aber noch keiner hat mir gesakt, daß er Woll und Leinen nicht kann gebrauchen. Ja mei gottseliger Vatter, der hat noch aus so was gehalten, Schames ist er gewest an die dreißig Jahr — Aber wie ein heutiger Mensch sich nicht schämt so was zu reden — und noch dazu die Frau von den reichen Fabrikant Blum — Es ist Ihnen auch Ihr Ernst nicht — Aber ich sag' Jhnen, es ist ne größere Sund nen armen Juden die paar Gulden nit zu lösen geben, als die Fieß in Woll und Leinen stecken." Mit diesen Worten hob der erbitterte Hausirer den Ballen wieder herein, ״Schätzenswertheste Frau, liebenswürdigste Madame, kostbarste Madame, liebwertheste Frau! Mama, wie hast du nur bei dem Allem ernst bleiben können? mir ist das nicht möglich gewesen." ״Das habe ich gesehen mein Kind, aber wenn Du bedacht hättest, daß der Mann arm ist, und wie er sagt Frau und Kinder zu ernähren hat, so hättest Du wohl Deine Lachlust etwas mäßigen können." ״Das habe ich auch gethan, so lange als möglich Mama, aber als er Mortz verdächtigen wollte, daß er Dich betrügen würde da — aber Helene was sagst Du denn dazu?" wandte sie sich an ihre Cousine.

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