Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-10-01
- Page
- 25 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 25 schon Alle auf uns sahen. Wo willst du denn hier bleiben, fragte er endlich. Wenn ich kein anderes Unterkommen stnde, so bleibe ich auf der Straße, war meine Antwort. Phantast, murmelte er und stampfte vor Wuth die Erde. Aber auch zu essen wirst du hier nichts finden, N. ist ein kleines Dorf, es wohnt nicht ein einziger Jude hier. So werde ich versuchen in der Restauration zu bleiben, ich werde den Leuten meine Uhr geben, und dafür geben ste mir vielleicht einen Platz zum Schlafen und etwas Brod zu essen. Ein schrecklicher Fluch war des Onkels Antwort. Da ward zum ersten Mal geläutet, er be ann sich einen Augenblick und winkte dann einem Kellner, mit dem er bekannt schien, er befahl ihm, er möge mir ein Zimmer geben und zu essen, so viel ich wollte, er würde Alles bezahlen. Der Kellner versprach es und der Onkel stieg wieder in den Waggon, ohne sich nach mir umzusehen und ich war wirklich froh, als er fort war." ״Und du bist ganz allein in N.. geblieben V ״Freilich." :• ׳ ״Und was hast du gegessen?" ״So oft ich Hunger hatte, ließ ich mir Butter und Brod geben und ein paar Mal auch Kaffee dazu." ״In Rosa's Augen glänzte eine Thräne, sie drückte einen Kuß auf die schone freie Stirn des Knaben, dieser aber fuhr fort: ״Ach Mama, ich habe mich doch sehr gut amüstrt in dem N. der Wtrth und die Wirthin und alle Kellner waren sehr freundlich gegen mich, und wollten mir zureden, allerhand gute Speisen zu essen, ich sagte ihnen aber, ich dürfe das nicht, weil ich ein Jude. Da lachten sie und meinten, Onkel Philipp wäre doch ein Jude, und habe doch schon oft dergleichen bei ihnen gegessen. Aber ste redeten mir doch nicht mehr zu, und wenn gerade keine Züge ankamen und die Kellner Zeit hatten, so ging Einer von ihnen mit mir spazieren, und zeigte mir Alles, dort sind wirklich wunderschöne Berge. Ich schlief dort auch sehr gut zwei Nächte und Sonntag Früh bat ich den Wirth, er möge mir etwas Geld leihen, damit ich mir ein Fahrbillet nach B. nehmen könnte und das that er auch sehr gern. Als ich zu Hanse kam, bat ich Großmama gleich um das Geld für den Wirth und habe cs ihm sofort geschickt. — Großmama war meinethalben sehr in Angst gewesen, sie sagte aber doch, ich hätte