Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1866)
- Article
- Die fünfzehn altjüdischen "Aufwärts"-Lieder
- Date
- 1866-10-01
- Page
- 5 (sequence 5)
- Language
- German
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2. Der Aufschwung. 5 fremd gewordenen Gegenwart zu flüchten vermag, und in dessen heimisch umfangenden Umgränzungen er der Sympathie und mitstrebenden Genossenschaft irdischer Größen zu entrathen weiß. Es ist das Gebiet, das das jüdische Gott-Bewußtsein und das jüdische Mensch- Heit-Jdeal dem Juden stets offen hält. Das jüdische Gott-Bewußtsein singt dieses Lied, das jüdische Ideal das folgende. 1. Von der Erde, von hervorragenden Größen der Erde hinweg hebt der Sänger seinen Blick, wenn er ״Eser", wenn er mitfühlenden, zustimmend mitwtrkenden Beistand sucht. Er leistet Derzicht darauf, Verständniß und Zustimmung und Beistand auf Erden zu finden. Er weiß, 2, ״@fer" bei dem zu finden, der Himmel und Erde nicht nur Einmal geschaffen, der noch Himmel und Erde gestaltet und jeden Moment der kommenden Zeit herbetführt. So klein und verschwindend winzig das Denken und Wollen des Einzelnen, auch des Reinsten ist, so geht es doch, eben wenn es wahr und rein ist, dem allerhöchsten Gedanken und Wollen parallel, findet in diesem allerhöchsten Denken und Wollen seine Berechtigung und Bedeutung und darf darum in Ihm seinen ״Eser", seinen zustimmend fördernden Beistand erwarten. Eben aber darum, weil er tn dem Allerhöchsten ״Eser", Beistand, somit Billigung seines Denkens und Wollens erhoffen darf, darf er tn Ihm auch seinem ״Schirmer", den Hüter und Wächter, Beschützer und Schirmer seines Daseins erwarten. Sein Dasein ist kein Mißklang tn dem Reiche des Höchsten. Wen wolltest du denn, 3, aber auch überhaupt, und zumal als frei sittliches Wesen, als Schirm und Hort deines Wesens erwähle»? Alle andern den Menschen überragenden Gewalten und Mächte sind höchstens nur mechanische, physische Größen; selber blind und gebunden, haben fle weder Verständniß noch Macht, auf sittliche Momente Einfluß zu üben, sittliches Leben zu spenden, sittliches Wollen zu kräftigen, sittliche Einsicht zu mehren, sittliches Streben zu leiten, sittliche Begeisterung zu wecken, zur Erringung sittlicher Stege zu wappnen und zu führen; das Bereich sittlicher Freiheit liegt ihnen fern, sie können den Menschen mechanisch stützen, physisch nähren, vermögen sie ihn auch geistig zu erleuchten, sittlich zu bessern? Selbst ihr mechanisch-physisches Sceptcr ist beschränkt, Störungen, Schwankungen unterworfen, sie vermögen den Menschen nicht stets und immer zu stütze - und zu schützen. Du aber, Mensch, bedarfst vor Allem eines Hüters, der in allererster Linie, dich sitt-