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Jeschurun · 1866-08-01 · Heft 11-12 (August 1866) · p. 410

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 11-12 (August 1866)
Article
Risse
Date
1866-08-01
Page
410 (sequence 16)
Language
German
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410 Risse. treuem Herzen auszuschütten. Rosa neigte sich über sie und drückte einen Kusi auf ihre klopfende Stirn. ״Ruhig liebe Jda und fasse nur Muth, cs wird gewiß noch Alles gut werden. Für's erste bleibst du bei uns und ich hoffe Dir auch recht bald Deine lieben Kleinen zuführen zu können. Viktor wird sich Deiner Sache sicherlich mit allen Kräften annehmen, Du kennst ihn sa und wie herrlich wird das fein wenn wir zusammen unsere Kinder erziehen werden." Ein mattes Lächeln glitt über Jda's blasses Antlitz, sie war zu erschöpft um auch nur ein Wort zu erwiedern. Aber Rosa hatte bald die Freude, die Freundin in ziemlich ruhigem Schlummer zu sehen. Nun erst begab auch sie sich zur Ruhe. Edmund war am anderen Morgen nicht wenig überrascht als er, wie er es gewohnt, in's Zimmer seiner Mutter trat und sie selbst nicht, und ihr Lager unberührt fand. Anfangs erschrack er, dann aber kam ihm doch die dunkele Erinnerung, daß seine Mutter ihm gesagt habe, sie werde nicht in ihrem Zimmer schlafen. Genauer wußte er sich nicht zu erinnern.— Langsam und ein wenig uumuthig kehrte er in's Wohnzimmer zurück und ein Ruf freudigen Staunens entfuhr seinen Lippen, als er die Mutter schon hier und bereits vollständig angekleidet traf. ״Ah guten Morgen liebe Mama, Gottlob, daß ich Dich hier finde; ich habe Dich schon überall gesucht." ״Das ist wirklich schrecklich," erwtcdcrte Rosa lächelnd, ״aber was hast Du denn eigentlich gefürchtet, Du kleines Kindchen, hast Du geglaubt, ich wäre sortgefahren und hätte Dich allein hier gelassen?";,Das nicht, aber — wo bist Du denn eigentlich gewesen diese Nacht, liebe Mama, ist Tante Jda doch wohl?" ״Eben war ich bet ihr, sie war gestern Abend so leidend, daß ich es nicht wagte, sie allein zu lassen." ״Arme Tante und wie geht es ihr denn jetzt?" ״Besser, Gott sei Dank, sie schläft noch." Rosa blickte forschend in das frische offene Antlitz ihres Sohnes, er hatte so seltsam die Miene verzogen als er das Unwohlsein der Tante vernommen und mehrere Minuten noch blieb er schweigend, wie in sich versunken.

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