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Jeschurun · 1866-05-01 · Heft 8 (Mai 1866) · p. 276

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 8 (Mai 1866)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1866-05-01
Page
276 (sequence 2)
Language
German
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276 Ausschreitungen konfessioneller und nationaler Fanatiker abzurathen, in ihrer letzten Nummer diese Zumuthnng entrüstet zurückweist, mit der Bemerkung: ״Die Juden gehören nicht auf die Kanzel der katholischen Kirchen, denn hier predigten wir nur Christus den Gekreuzigten!!^ Die Nummer trägt dasDatum: März ein Tausend acht Hundert sechsundsechzig. Die czechischcn Organe die sich bei den Schandthaten gegen die Juden höchst zweideutig benahmen, werden übrigens zum Theil, wenn auch mit aus andern Gründen zur Rechenschaft gezogen. So berichtet das Fremdcnblatt vom 8. April, daß die Berichte des Narodni Listy, des Hanptblattcs der Czechen über die Judcnhetze» einen Prozeß zur Folge haben werden: Prag, 8. April. Das Preßals Strafgericht hat die ״Nar. Listy" wegen dieser Korrespondenzen, zunächst wegen des Berichtes über die Horzowitzer Vorfälle und daS Einschreiten des Militärs, in Anklagestand versetzt und die Voruntersuchung bereits eingeleitct. Die Anklage wurde gegen den Etgcuthümer und Redakteur der Zeijung, dann gegen den Horzowitzer Korrespondenten, der dem Gerichte genannt wurde, erhoben und lautet auf das Vergehen der Aufreizung und der Ehrenbeletdigung, begangen gegen die Armee. Daß bei diesem Judenhasse unsere Glaubensgenossen besonders auf dem Lande einen doppelt schweren Stand haben, läßt sich denken. Doch sind sie an Hetzereien gewohnt oft schlagfertig und lassen ihre Hasser ihren Muthwillcn zuweilen schmerzlich bereuen. So erzählte die ״N. fr. P." neulich folgende ergötzliche Geschichte: Die in den czechischcn Orten unseres Kronlandcs schon mit einer Art System betriebene Ausbeutung des Przibramer Silberdiebsiahles zur Verspottung und Verhöhnung der Juden hat, wie mitgcthcilt wird, in einem wenige Meile von Prag entfernten Orte dieser Tage zu einer köstlichen Scene geführt. Ein in der ganzen Gegend angesehener jüdischer Hofpächtcr kam am Abend in das Städtchen K-, um den von Prag Nachts cinlangenden Bahnzug weiter zu benutze». Kaum ins Gasthaus eingetreten, wird er von einigen ihm befreundeten Bürgern ausgefordert, an ihrem Tische Platz zu nehme». Das, wie natürlich in K., czechisch geführte Gesprach dreht sich begreiflicherweise um den bekannten Silberdicbstahl. Auf einmal bricht einer vom ״Honoratioren-Tischc", dem das Gespräch eine viel zu ruhige Haltung angenommen zu haben schien, los und fragt den Hofpächter, ob er Przibramer Silber kaufen wolle, eine jetzt in czechischcn Kreisen ״Juden" gegenüber sehr beliebte Phrase. Dieser bleibt ganz ruhig, fragt, wie viel Silber er den» zu verkaufen habe, erhält zur Antwort: drei Pfund, erkundigt sich nach dem Preise und erklärt sich bereit, auf das Geschäft einzugehen. Dadurch noch mehr animirt, stellt ein zweiter ״Honoratior" dieselbe Frage; der Jude bejaht sie und uotirt sich in Gegenwart

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