Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-05-01
- Page
- 273 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Von-S;..!273 Dir zu rede», vorzüglich in Abwesenheit unseres Vaters ist es doch an mir, Deine Ehre zu. wahren." ״Du meine Ehre wahren!" Rosa mußte herzlich lachen; ihr Bruder aber kümmerte sich nicht darum. ״Sieh Rosa," fuhr er fort, ״was mich an Viktor am meisten ärgert, ist, haß er so'n entsetzlicher Heuchler ist, daß er für einen Tugendspiegel gelten möchte, und sich für viel besser hält als alle andern." ״Und das ist er auch, wüßte ich doch nicht einen von allen Deinen s. g. Freunden, der sich mit ihm vergleichen könnte." ״Wir würden uns auch sämmtlich bedanken, mit ihm verglichen zu werden, denn du hältst mich zwar für sehr schlecht, und ich will mich auch gar nicht besser machen, als ich bin, und will es gar nicht in Abrede stellen, daß ich hier und da einmal eine Liaison mit einem schönen Mädchen habe, mein Gott das hat ja ein Jeder. Aber ich bin auch nicht verlobt, flüstere auch nicht Licbesschwüre in das Ohr einer Braut." ״Was soll das heißen, was willst Du damit sagen Philipp?" ״Das soll heißen und damit will ich sagen, daß Dein Viktor ein Elender ist, der, während er schon mit Dir verlobt war, noch seine Maitrcsfe in H. unterhalten hat." ״Das ist nicht wahr, das ist eine Lüge, eine infame Lüge." ״Und wenn cs nun doch wahr wäre; wenn ich Dir Beweise bringen könnte, daß es wahr." ״Ich würde es dennoch nicht glauben, weil es nicht wahr sein kan», weil es unmöglich ist." ״Für unmöglich halst Du es? Armes Mädchen — Rosa, wir sind Wohl oft mit einander nicht gut ansgekommen, aber ich fühle doch, daß ich Dein Bruder bin, denn die Beleidigung, die Dir wtderfahren ist, macht mir das Blut sieden — Wenn ich Dir Be-׳ weise geben würde von der Untreue Deines Bräutigams, so würdest auch Du wohl daran glauben müssen, und Rosa — Du wirst es müssen." Er hatte mit solch ruhigem Ernst, in solch überzeugendem Ton gesprochen, daß seine Schwester im Augenblick ihm Nichts zu entgegnen vermochte; leichenblaß, an allen Gliedern bebend, lehnte sie sich an die Wand um nicht zu sinken. Philipp stützte mit seinen