Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 7 (April 1866)
- Article
- Österreich [Nachricht]
- Date
- 1866-04-01
- Page
- 246 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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246 selbstsüchtiger Willkür folgenden Mächte, den unausbleiblichen Sieg des Geistes über die Gewalt, des Rechts über das Unrecht. — Im Folgenden sind einige kurze Notizen über diese Unruhen enthalten. ״Die Judenverfolgungen, zu denen die Nagelschmiede zu Hostomitz das Signal gegeben haben, haben sich rasch über das ganze czcchische Land ausgebreitet. In Vseradic, Praskales, Cerhowie, Maut, Nadizan, Beraun und einer großen Zahl anderer kleinerer Orte fanden erhebliche Excesse statt, welche die Absendung von Militär nach den betreffenden Orten nvthwendig machten." — Der ״Neuen freien Presse" werden über den Hostomitzer Judenkrawall folgende Details mitgetheilt: ״Die unmittelbare Ursache zu den Ausschreitungen des Proletariats soll darin gelegen sein, daß ein Herr B. mit einem Nagelwaaren abliefernden und Verrechnung pflegenden Schmiede wegen eines Betrages von zehn (!) Kreuzern in Streit gerieth. Es läßt sich jedoch wohl kaum annehmen, daß eines so gertilgsügigen Umstandes wegen ein derartiges Vorgehen der Arbeiter erfolgt wäre, sondern die Ansicht ist stark verbrettat, daß die Vorfalle schon vorher verabredet waren, und daß der Streit des Schmiedes mit Herrn B. nur den willkommenen Anlaß zum Dretnschlagen abgab. Der Pobelhaufcn kannte in seiner Wuth gar keine Grenzen. Die Häuser der Herren B. und L. wurden außerdem, daß man sie im Innern ausplünderte, so demolirt, daß blos die nackten Manern dastehe»; die ganzen Eisen- und Nagelvorräthe beider Kauflcute wurden gestohlen und ihre Geschäftsbücher in Stücke zerrissen und zerschnitten; damit nicht zufrieden, machten die Excedenten im Wohnzimmer des Herrn B. auf den Dielen ein Feuer an und verbrannten die Papierfetzeu. Die Leute spekulirten dabei nicht übel, denn außer den Schulden der Käufer waren auch die den Schmieden gegebenen Vorschüsse in diesen Büchern verzeichnet. Als Herr B. sich dem Volkshaufen zeigte, zückten einige rohe Bursche ihre Messcr gegen ihn, und er mußte, all sein Vermögen der Plünderung preisgebend, nur trachten, sich und seiner Familie durch die schien« nigste Flucht nach Prag das Leben zu rette». Von den andern Jsraeliten des Ortes blieb keiner verschont; einer armen Wittwe, die ihr und ihrer Kinder Leben kümmerlich fristet, wurde all ihre Habe entwendet; dasselbe soll auch einem armen Geschäftsmanne und Vater von 10 Kindern widerfahren sein. Die Ruhe wurde erst wieder hergestellt, nachdem 200 Mann vom Regiment ״Martini" aus Prag angekommen waren. — “ Auch in Schüttenhofen sollen Gewaltthättgkeiten gegen Juden geübt worden sei». Insbesondere auch gegen den Besitzer der bekannten dortigen Zündwaarenfabrik — der sich stets hilfreich der!)arbeitenden Klasse erwiesen aben soll. — Von der Regierung sind