Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1865-12-01 · Heft 3 (Dezember 1865) · p. 103

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 3 (Dezember 1865)
Article
Deutschland : Lemberg [Nachricht]
Date
1865-12-01
Page
103 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2932961-2932965--09836-2949824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

103 Gleichberechtigung im Gemeinderathe nicht einmal verlangen. Vor 27- Jahren,!'im Jahre-1848, ließ man uns —־ faßte er — zum erstenmale in diesen Saal hier ein. Mr einen. Menschen ist das eine lange Zeit, für ein Volk, für die Geschichte nur ein Äugenbltck. Langsam und stufenweise schreitet die Menschheit vorwärts. Das gegenseitige׳ Mißtrauen läßt sich nicht wegdisputiren, dazu braucht man lange Zeit,, es wirdaber doch einmal dazu kommen, daß, wie ehemals jener Römer mit Stolz sagte: ״Ciyis romanus sum“, auch der hiesige Jude wird mit Stolz sagen können: 160 18^01״x0- 11611818 sum“. Der Redner stellte keinen präcisirten Antrag, er, überließ es den Christen-selbst, zu entscheiden, wie viele Israeliten verhältnißmäßig zum Gemeinderathe zugelaffen werden sollten. Die Rede des Herrn Dubs würde mit Applaus aufgenommen. In. gleichem Sinne sprachen die israelitischen Gemeinderätbe, die Herren Or.' Hönigsmann und Dr. Landesberger. Herr Kolischer wies darauf hin, daß tiefe;85 und 15, vor dem Gesetze unhaltbar sind. Von den christlichen Gcmeinderaths-Mitgliedern sprach am meisten und am reaktionärsten Herr Voczkowski; er machte die Beme.kung, daß der Zeitgei^ auf den sich die israe.itischen Redner beriefen, nicht vorwärts, sondern rückwärts schreite, und daß man gar nichts mehr machen könne, als was man gemacht hat, nämlich, daß man diesen 15 Israeliten Platz im Gemeinderathe einräume. Unser Gemeinderath war leider derselben intoleranten Ansicht, denn alle zum Vortheile der wenigsiens Lhetlweisen Gleichberechtigung gestellten Anträge, ja sogar der von Herrn Wild, dem einzigen (!) christlichen Gemeinderalhs-Mitglied, welcher zu Gunsten der Israeliten sprach, gestellte Vermittlungsantrag, man möge nicht 15, sondern 18 Israeliten zum Gemeinderathe zulasten, wurde -verworfen. Nebst den israelitischen Gemeinderäthen stimmten von den anwesenden 60 Christen kaum 10 zu Gunsten der Juden. Daß sich die Juden trotz dieser Zurücksetzung auf's Lebhafteste und zwar im nationalen Sinne an den politischen Tagesfragen betheiligen, beweist folgende Notiz vom 11. November:; In Scmberg ist der ehemalige Minister Graf Goluchowsky nach einem heftigen Wahlkampf, bei dem es sogar zu Thätlichkeiten und!Abends zum. blutigen Kampfe kam, gewählt worden. Gegen Goluchowsky stimmten hauptsächlich die Juden. Das Heer der Beamten und die Vorenthaltung von 800 Wahlcertifieaten für israelitische Wähler gab den Ausschlag zu Gunsten des Regieruugscandtdaten Goluchowsky. .Die Wahl wird! übrigens angefochten werden. Hannover, 25. October 1865. Geschwornendienst der Jsraeliten. Der Wortlaut des den Geschwornendienst der Israeliten am Säbbath betreffenden Rescripts des Justizministers lautet folgender-- maßen: Es ist mir zur Kunde gekommen, daß Israeliten, welche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.