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Jeschurun · 1865-05-01 · Heft 8 (Mai 1865) · p. 271

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 8 (Mai 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-05-01
Page
271 (sequence 8)
Language
German
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V. Von S... 271 soll ich jetzt Wetter lesen?" fragte er nach einer Weile. ״WaS?" fragte der Andere zerstreut. ״Was? was? heiliger Övid! rief er in komischen Pathos die Hände zusammenschlagend, ״vergib ihm, er weiß nicht was er thut. Arnold! Menschenkind! Pfarrerssohn! was hast Du? haben die Götter Nektar Dir gesandt und Dich berauscht? oder hast Du mich für eine Sirene gehalten und Dir die Ohren mit Wachs verstopft, daß Du mich nicht hörst?" Arnold lachte kurz und gezwungen. ״Weißt Du, wie Du jetzt aussiehst '" neckte sein muthwilliger Kamerad weiter ״wie Jupiter, che Pallas׳'aus seiner Stirne sprang; hast Du vielleicht auch so eine gepanzerte Göttin im Hirn?" Der ändere schwieg, es war ihm nicht mehr möglich, Heiterkeit auch nur zu heucheln. ״Aber was ist Dir denn, rede doch einmal?" ״Jacob" fuhr er endlich hastig heraus, ״leih mir einen jüdischeu Katechismus, das ist's eigentlich, um mas ich Dich ersuchen wollte." ״Einen jüdischen Katechismus?" wiederholt Jakob staunend, ״aber beim Bart des Muhamed! was willst Du denn damit? Willst Du vielleicht Missionär werden, uns Juden zu bekehren? ״Ich bitte Dich, laß die Scherze, ich kann sie heute nicht vertragen; willst Du mir einen Katechismus borgen.?" ״Herzlich gern, wenn ich einen hätte, aber ich habe keinen; doch sag' mir nur was Du damit willst, vielleicht thut'ö ein anderes Buch auch." Arnold zögerte ״ich soll Dir sagen, was ich damit will — vielleicht wäre es besser. Du bist mein Freund Jakob, das weiß ich — aber konnst Du schweigen? ״Wie der Bischof Nepomuk, noch hundert Jahre nach meinem Tode wird meine Zunge bluten." ״So gib mir die Hand daraus, daß Du keinem Menschen auch nur ein Wort von unserer heutigen Unterredung sagen wirst" ״Hier hast Du meine Hand und mein Wort, und sei nur ruhig Arnold, wenn ich auch viel dummes Zeug schwatze, so sage ich doch nie etwas, was ich nicht sagen will." Noch überlegte Arnold. ״Jakob" begann er nach einigen Augenblicken Schweigens ״ich traue Deinem Wort, daß kein Mensch

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