Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 192 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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192 Licht- und Schattenbilder. ״Bitte, bitte, Herr Wolf, wollen Sie doch die den Damen schuldige Ehrfurcht nicht vergessen." ״Ich vergesse nicht, wem ich Ehrfurcht schulde," murmelte Wolf. , . ״Es gibt aber doch keinen edlen liebenswürdigern Vertheidiger unseres Geschlechtes als Herrn Doktor Fuchs," fiel Frau Eckert ein. ״Ich fühle mich unendlich geschmeichelt, mein Lob ans so schvnem Munde zu vernehmen," erwiderte dieser mit süßlichem Lächeln, ״übrigens ohne mich rühmen zu wollen, muß ich gestehen, daß ich dieses verdiene. Schon unser großer Lessing sagt: ,,Die Natur wollte in dem Weibe ihr Meisterwerk schaffen, nur vergriff sie sich im Thon und nahm ihn zu fein; und dem stimme ich vollkommen bei, und füge nur noch hinzu, daß wir Herren der Schöpfung berufen sind, diesen Fehlgriff der Natur auszugleichcn und dem zu feinen Thon unsere Stärke zur Verfügung zu stellen. Ich persönlich aber fühle eine doppelte Verpflichtung dem weiblichen Geschlecht gegenüber, einmal als Mann und dann als Oberhaupt einer israelitischen Gemeinde, als Amtsnachfolger jener unbestreitbar großen Männer, die aber, so Verdienstliches sie auch in andern Beziehungen geleistet, doch den großen Fehler begingen, das weibliche Geschlecht nach unserer asiatischen Väter Brauch zu unterdrücken und zu verachten zu lehren." ״Herr Rabbiner," fuhr Wolf auf, ״Herr Doktor wollte ich sagen." ״Bitte, bitte, wollen Sie sich nicht geniren, das ist ja einerlei," unterbrach ihn der Doktor verbindlich. ״O nicht doch," versetzte der Andere mit feinem Lächeln, ״ich mochte mir doch nicht erlauben, Herr Rabbiner Sie zu nennen. Denn wie, Herr Doktor, wie können Sie es wagen, unsere großen Rabbinen oder unsere Väter der Verachtung des weiblichen Geschlechtes zu zeihen? Giebt es doch kein Volk auf Gottes weiter Erde, bet dem das Weib in größerer Achtung stand, als bei dem jüdischen. Begründen doch sogar unsere Weisen aus der heiligen Schrift, daß ein Mann ohne Weib ohne Heil, ohne Friede», selbst ohne Segen sei!" ״Ah siehe, da treffe ich sie ja beisammen unsere schöne Jeanne d’Arc sammt dem edlen Ritter Lyonel," erscholl die freundliche Stimme des Hausherrn. ״Die Gesellschaft," fuhr er fort, ״wünscht