Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1864)
- Article
- Deutschland : aus Baden [Nachricht]
- Date
- 1864-12-01
- Page
- 97 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Aufruf Der Raub des Knaben Cokn, der die Theilnahme des ganzen gebildeten Europa erweckte, hat diese Familie nicht nur mit einem der härtesten Schläge getroffen, sondern ihr auch noch eine schmerzliche Reihe von Leiden und Unglück bereitet. Wenige Tage nach dem traurigen Ereigniß, verlor die unglückliche Mutter eine zwanzigjährige Tochter, die unter so harten Schicksalsprüfungen sich nicht aufrecht erhalten konnte, und dadurch wurde die unglückliche zahlreiche Familie auch noch in Erschwingung ihres notwendigen Lebensunterhaltes geschmälert, da sie ohne Vermögen nur von den bescheidenen Früchte einer emsigen Arbeitsthätigkeit sich ernährt. Nach diesem neuen Unglück hielten einige mitleidsvolle und umsichtige Glaubensgeiiossen zu Rom es für angemessen, die Mütter den nicht minder schweren Gefahren zu entziehen, die ihr dort noch begegnen konntcn, und sie zur Auswanderung nach Livorno zu veranlassen, indem sie diese Mutter mit׳ ihren 8 unmündigen Kindern der Wohlthätigfeit der dortigen Glaubensgenossen empfahlen. Die Ursache so schrecklicher Unglücksfälle können wir nun leider nicht entfernen, allein wir können uns nur bemühen, die Folgen zu mildern. — Wir, die wir das verzweifelnde Elend der Mutter vor Augen haben, wir, die wir nicht nur die moralische Erschütterung, sondern auch die ganze ökonomische Zerrüttung sahen, welche das traurige Ereigniß diesen Unglücklichen gebracht, die so unvorhergesehen gezwungen wurden, die eigene Häuslichkeit und den eigenen Erwerbsfleiß zu verlassen, wir haben es für unsere Schuldigkeit gehalten, an die Wohlthätigkeit unserer Brüder in Italien und im Auslande zu appcüircn, um dieser Familie eine hilfreiche Unterstützung zu bereiten, deren Leiden gewiß auf das Beredteste zu jedem Herzen reden. Die Unterzeichneten sind daher zu einem H ü lf s- C o m it 6 für die Familie Coön zusammen getreten und fordern ihre Glaubensbrüdcr a»f, ihnen in Linderung der Folgen eines Vorganges bciznstehcn, gegen welchen die Natur und die Civilisation einstimmig bereits ihre nachdrücklichste Stimme erhoben haben. Livorno, 14. Oktober 1864. Das Comitö: Rabbiner H. Costa, Präsident. Rabbiner Ab. Tolom. N. Angelo Tedesco. Landadio Modigliano. Advokat Vittorio d e Rosst, Sekr. Wir sind bereit, Spenden für die unglückliche Famtlie entgegenzunehmen. Die Red.