Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1864)
- Article
- Die Natur und die Bibel in der Hand der materialistischen Weltanschauung
- Date
- 1864-02-01
- Page
- 146 (sequence 2)
- Language
- German
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146 Die Natur und die Bibel in der Hand Lirstcin der Wahrheit zu prüfen. Sie wird grvßtentheilS sich an die mitgetheilten Resultate halten, sie bona fide hinnehmen, ohne sich auch nur annäherungsweise eine Ueberzeugung schaffen zu können, in wie weit solche Ergebnisse auf sicherem Grunde beruhe», und wird, bewußt und unbewußt, ihre bisherigen Lebensanschauungen befestigen, berichtigen, auch völlig nmwandeln laffen durch Doktrinen, die möglicherweise oft mehr die Frucht einer combinirenden Phantasie, als das Ergebniß einer nur auS Thatsachcn mit nüchterner Logik folgernden Gedankenoperation sind, und nicht selten mit um so größerem Anspruch auf Anerkennung als Wahrheit, als die allein mögltche Wahrheit auftreten, Ae weniger ein faktischer Grund sicherer Prämissen den Boden ihrer Entstehung bildet, und je mehr Hypothesen und Phantasie als hilfreiche Wehemütter ihrer Erzeugniß Assistenz geleistet. — Ist so der Vortheil, den die Bildung aller Schichten der Gesellschaft durch die Popularisirung der Wissenschaft erndtet, nicht ohne seine Kehrseite, so findet auch die Wissenschaft, die auf demselben Wege allerdings Gefahr läuft, sich in Oberflächlichkeit zu verlieren, und einer anmuthigen Form der Darstellung die oft mit Staub und Schweiß deckende Arbeit um den herben Kern der Erkenntniß zu opfern, so findet, meinen wir, die Wissenschaft selbst doch auch wieder rompensirenden Gewinn in dem Schutz und der Berichtigung, die diese Verallgemeinerung ihren Bestrebungen und ihren Forschungen selbst sehr wohl mit der Zeit bringen dürfte. Indem der Wissenschaft die gebildete Menge als Auditorium und das wirkliche Leben als das eigentliche Gebiet ihrer Zwecke vorschwebt, wird sie sich weniger in unfruchtbare Spekulationcn verirren, und — was wir nicht gering anschlagen — der allgemeine gesunde Menschenverstand und das im wirklichen Lehen mit zwingender Ueberzeugung sich aussprechende Gesammtbewußtsein, wird zuletzt über Absurditäten zu Gericht sitzen, in welche eine mit geschlossenem Auge, fern von dem frischpulsirendem Leben, spekultrende Dialektik sich zu verlieren so leicht Gefahr läuft. — Diese und verwandte Betrachtungen wurden bei uns durch die Anzeige von Radenhausen's ״Isis", vierter Band hervorgcrufcn, welche das Feuilleton der Hamburger Nachrichten dieser Tage ihren Lesern brachte. Diese sollen nach der Absicht des Herrn Berichterstatters dadurch veranlaßt werden ״aus der Isis ein- ״mal das Weltsystem kennen zu lernen, das sich die menschliche