Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1864)
- Article
- Deutschland : Hamburg [Nachricht]
- Date
- 1864-01-01
- Page
- 139 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2932754-2932933-2932938--08763-2948537- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 1× ep/1006163
OCR text
139 einer der Armenschulen der jüdischen Gemeinde in Hamburg angestellt!!! Uebrigens stimmen seine Expectorationen in der Bürgeschaft vollkommen mit seiner Wirtsamkeit in der Schule überein, vr. Räe gibt ein wahrhaft empörendes Beispiel wie weit es der Fanatismus der Neologie zu treiben vermag. England. London. Verschiedene Blälter, u. a. die ״Augsburger Zeit", die ״Neuzeit" w. brachten vor Kurzem folgende abenteuerliche jedoch vollkommen erdichtete Erzählung aus London. Wäre die Sache nicht so lächerlich plump, so könnte man darin eine Tendenzerdichtung gegen die Beschncidung erblicken. ״Die Judcnschaft von London wurde vor einigen Wochen durch ein seltsames Ereigniß in nicht geringe Aufregung versetzt, eine Panique hatte alle Kreise und Stände ergriffen, insoweit sie den Kindern Israels angehörten. Nicht das rasche Fallen der Staatspapiere, nicht der traurige Bericht der Juden bekehrenden Missionen haben dieses Entsetzen bewirkt sondern ein ״Mohel" Namens Rabbi Zsak Ranish. Rabbi Jsak Ranish war seiner Aufgabe vollkommen gewachsen, denn nach offiziellen Ausweisen hatte dieser Mann an 2000 Mal seine Funktion ansgeübt. Kein Wunder, wenn er das Vertrauen seiner Kommittenten besaß. Da geschah es, daß einem Bankier in der City Namens Payatto, ein Sohn geboren wurde und Ranish fiel die ehrenvolle Aufgabe zu, den Neugeborenen in den Bund Israels cinzureihcn. Payatto, ein steinreicher Mann, war seit 10 Jahren verhcirathet und seine Frau hatte ihm kein Kind geboren, und au dem Tage, als ihm der Sohn, der langersehnte, geboren wurde, starb Payatto. Der erste Schrei des Neugeborenen bczcichnete das letzte Röcheln seines Vaters. Payatto fand allgemeine Theilnahme, er war ein braver Mann gewesen, und alle Welt pries die Börsehung, daß Payattv's Millionen durch den göttlichen Rathschlnß nicht in fremde Hände fallen sollten. Am Tage der Beschncidung des neugeborenen Payatto fand sich die Elite der Londoner Jndenschaft im Hause Payattv's ein. Der Mohel verrichtete das übliche Gebet und machte sich an die Operativ». Der alte Mann zitterte, das Messer entglitt seinen Händen und fiel so verhängnißvoll, daß cs in den Weichthcilen des Kindes stecken blieb. Ein Blntstrvm entquoll dem zarten Körper. Wenige Stunden später war das Kind eine Leiche. Unbeschreiblich war das Entsetzen der anwesenden Zeuge», grenzenlos der Jammer der unglücklichen Mutter. Payatto war in der Blüthe seiner Jahre ohne Testament gestorben, seine Gattin hat Kraft ihres Ehevertrages nur Anspruch auf einige Tausend Pfund, der Rest einiger Millionen fällt, da Payatto keine gesetzlichen Erben