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Jeschurun · 1863-12-01 · Heft 3 (Dezember 1863) · p. 102

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 3 (Dezember 1863)
Article
Deutschland : Wien [Nachricht]
Date
1863-12-01
Page
102 (sequence 2)
Language
German
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102 wendet worden. Die Dorfbewohner begaben sich unter Anführung des OrtSrichtcrs — eines Walachen — in das jüdische Bethaus, durchstöberten dort Astes, wickelten auch die Gesctzrollcn auseinander, weil sie in denselben Spuren des verschwundenen Kindes zu entdecken hofften; als hier nichts entdeckt wurde, verfügte man sich zu einem jüdischen Pottaschebrenner und in der Meinung, daß unter dessen Aschcvorrath wenigstens zehn Christenkinderletchen aufgcfunden werden dürften, wurden an sechzig Centner Asche tüchtig aus dem Magazine hinansgeschaufelt. Die Israeliten, sehend, daß die Aufregung gegen sie äußerst bedenklich sei, schickten in der Nacht eine Estafette nach Maros-Vasarhely. Der Oberkönigsrichter, Baron Horvath, beorderte sogleich einen Königsrtchter und Gendarmen nach Szent-Gyvrgy zum Schuhe der bedrohten Israeliten und zur Ausrechthaltung der öffentliche!! Sicherheit, Das verloren geglaubte Mädchen wurde zu- ”fällig nach vier Tagen in Vaja (zwei Stunden vom Orte des Ereignisseö) auf der Gasse, wohin es, von seiner ״neuen" Mutter geschlagen, gelaufen war, gesunden und seinen Eltern nach Szent- Gyvrgy wieder zugeführt. Bei der Untersuchung stellte es sich heraus, daß das Mädchen von einer durch den Ort ziehenden Landstreichertn aufgegriffen und in Vaja einem kinderlosen Ehepaare als Adoptivkind übergeben wurde. Die betreffende Abenteurerin wurde auch ermittelt und befindet sich jetzt hier in Untersuchung. Wäre das Mädchen —; wie dies doch oft zu geschehen pflegt — von irgend einer ■ Seiltänzer- oder Zigeuucrtruppe in eine entfernte Gegend entfernt worden, so wäre nichts im Staude gewesen, den lächerlichen Aberglauben׳ der Dorfbewohner zu erschüttern. Wien, 9. November. Die ״Presse" schreibt: (Toleranz in Schlesien.) Auf den 30. v. M. hatte die Gemeindevorstehung von Zablunkau eine Sitzung anberaumt, um das Gesuch eines Israeliten um Aufnahme in den Gemeindeverband der Gemeindevertretung zur Entscheidung vorzulegen. Der Bewerber ist bereits über zehn Jahre Pächter des städtischen Gasthauses, von welchem er einen für die hiesigen Verkehrsvcrhältniffe hohen Pachtzins entrichtet, hält die Gebäude im besten Zustande und kommt auch seinem Berufe als Gastwirth pünktlich nach. Obwohl sein moralisches Verhalten ganz tadellos und es auch nicht zu besorgen ist, daß er oder seine Familie je der Stadtgcmeindc zur Last fallen wird, wurde er mit seinem Ansuchen abgewiesen, weil nach der hierüber geführte» Debatte die Bürgerschaft es nicht zulafsen könne, daß ein Jude ihr Mitbürgcr werde und daß die Israeliten sich in Jablunkan verbreiten. Aus der Provinz Sachsen berichten die Blätter folgenden in-

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