Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 2 (November 1863)
- Article
- Die Alliance israélite universelle
- Date
- 1863-11-01
- Page
- 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932933-2932936-2948364--08646-2948402- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 Die Alliance israellte universelle. eben so schrecklichen wie ungerechten Prozesses angeordnet werden und den Verurtheilten ihre Freiheit zurückgegebcn werde würde. Allein wir sind in unserer Erwartung getäuscht worden. Eine Mtttheilung des russischen Gesandten in Paris benachrichtigte uns im Februar, daß das gegen unsere Brüder von Saratoff gesprochene Urtheil keiner Revision unterworfen werden könne, weil es im Reichsrathe durch den Kaiser selbst bestätigt worden sei. Indessen giebt uns der Gesandte im Namen der russischen Negierung die formelle Erklärung, daß die dogmatische Frage als Hauptpunkt der Anklage nicht genannt worden sei. Um eine ähnliche Intervention wurden wir in ziemlich analogen Umständen angegangen. Es handelte sich wohl auch um religiöse Verfolgungen, aber nicht um Israeliten. Spanische Tribunale hatten nämlich einige Protestanten unter der Anklage religiöser Propaganda zu den Galeeren vcrurtheilt. Alle Geister hatten sich gegen ein solches in der Mitte des 19. Jahrhunderts gcfälltcsMrtheil erhoben. Auch wir, Kinder einer während achtzehn Jahrhunderten geächteten Race, konnten es nicht unterlassen den verurtheilten Protestanten und ihren Glaubensgenossen einen Beweis unserer lebhaften Sympathie zu geben. Wir waren außerdem auch dazu verpflichtet; die cvangcltschen Gesellschaften Englands und der Schweiz, eben so wie die Alliance chretienne universelle, hatten unserer Sache öfters sreimüthige und thätige Unterstützung gewährt. Wir haben darauf, wir, deren Stimme sich seit beinahe vier Jahrhunderten in Spanien nicht hatten hören lassen, der spanischen Regierung unsere inständigen Wünsche zu Gunsten der Verurtheilten von Granada zukommen lassen. Wir sind freilich nicht der Anmaßung, anzunehmen, daß unsere Intervention die Milderung der Strafe der Verurtheilten herbcigeführt habe, wir haben aber wenigstens eine Pflicht der Dankbarkeit erfüllt und die heiligsten Rechte des religiösen Gewissens vertheidigt. In der Barbarei zeigten sich im Verlaufe des letzten Jahres intolerante Manifestationen gegen die Juden. Unser Comite glaubte sich an die europäischen Regierunge. wenden, und ihnen das wenig liberale Benehmen gewisser Viceconsul» bei dieser Gelegenheit anzeigen zu müssen. Es wurde uns volle Genugthuung dafür gegeben n»d Instruktionen für die Zukunft denConsulaten zugesandt. (Forts, folgt.)