Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1863)
- Article
- Die Alliance israélite universelle
- Date
- 1863-10-01
- Page
- 24 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Die Alliance israelitte Aufgabe sich als Gegenstand ihrer Wirksamkeit gesetzt und betrachtet diese Aufgabe als ihr erstes und vornehmliches Ziel. Sie will tu erster Linie ״die moralische Verbesserung" ihrer Glaubensgenossen herbeiführen, sie betrachtet als erstes Mittel dazu ״die Verbreitung des Unterrichts und der Aufklärung europäischer Civilisation" unter den orientalischen Brüder, und hat bereits dieses Streben praktisch durch Gründung von europäischen Schulen in Afrika und Asten bethätigt. Dieser Bestandtheil im Programm der Alliance dürfte der all gemeinen Betheiligung an ihren Bestrebungen, die sie so sehr, herbeiführen möchte, gewichtige Bedenken entgegenstellen. Sie haben uns wenigstens bis jetzt davon zurückgehalten einer Betheiligung an diesem Vereine das Wort zu reden. Nur die Vertretung der socialen jüdischen Interessen nach Außen ist noch ein neutraler Boden, auf welchem sich alle Richtungen begegnen, und sich alle die Hand zur gemeinsamen Thätigkeit reichen können. Allein jedes, die innern jüdischen Angelegenheiten berührende Streben, das noch dazu wie ״die moralische Verbesserung", ״die Verbreitung eurapäischer Bildung", ״die Stiftung von Schulen", so unmittelbar den Nerv des Judenthums, die religiöse Lebensseele der Judenheit berührt, berühren muß, sich gar nicht bethätigen kann ohne diese vitalen Elemente der eigentlichen jüdischen Interessen zu fördern oder zu verkümmern, ein jedes solches Streben muß bei der vorhandenen religiösen Zerklüftung im heutigen Israel von vorn herein auf allgemeine Betheiligung verzichten. Selbst ein völlig außerhalb des Judenthums Stehender muß sich sagen, wo, wie im Heuttgcn Israel, die Allgemeinheit religiöser Ueberzeugungen einer so trostlos schroffen Spaltung sich principiell entgegenstehender Gegensätze gewichen ist, da kann die Betheiligung an civilisatorischen Bestrebungen unter der Devise moralischer Verbesserung und Verbreitung europäischer Cultur keine allgemeine sein. Die Eine Richtung erblickt in einem großen Theile des praktischen Judeuthumö und in der talmudisch-rabbinischen Wissenschaft desselben selbst das größte Hinderniß sogenannten religiösen Fortschritts wtb europäischer Bildung. Ihre civilisatorischeu Bestrebungen werden in allererster Linie die direkte oder indirekte Zurückdrängung dieser Hindernisse im Auge haben. Vor ihren civilisatorischen Bestrebungen werden selbst die ״Zehn-Gebote" auf welche der Präsident der Alliance, Herr Ad. Creuneur, hinweist, nicht volle Gnade finden. Sie wird das Sabbathgesetz civilisatorisch verflüchtigen zu müs-