Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 12 (September 1863)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1863-09-01
- Page
- 564 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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564 verwandelte eine Häuserreihe von 194 Nummern der größeren und eine Unzahl der kleineren Häuser derart zu Staub und Asche, daß beinah' jede Spur ihres früheren Bestandes geschwunden. Unter diese Anzahl der total zerstörten und verheerten Häuser ist leider unsere ganze Judcnstadt, eine 500 Seelen in sich fassende Judenschaft zu zählen, eine Judenschaft, die eine Gemeinde bildete, welche stets zu den ersten Böhmens gerechnet werden durfte. Beinah' die sämmtliche Anzahl irrt obdachlos herum, 5 bis 6 Familien erbetteln gemeinschastlich Unterkunft in einem beengten Raume, der-sonst für eine einzige Familie kaum ausreichte, die meisten verlaufen sich in naheliegende Dorfschaften, ohne Nahrung, ohne Kleidung, da die Rettung eine Unmöglichkeit war, beraubt ihrer sämmtlichen Habe, ihres ganzen Vermögens, die sich sonst eines ziemlichen Wohlstandes erfreuete. Das Gotteshaus, das vor zwei Jahren zu unserer größten Freude und Erhebung solenn eingeweihet wurde ist verwüstet, die Gemeindelokalitäten, das Schulgebäude, Wohnungen der Gemeindebeamten, wie des Kreisrabbiners, des Lehrers, Kantors und Gemeindedienerö als Bewohnungen unkenntlich gemacht, und diese auch ihrer Archive und Büchcrsammlungen völlig beraubt. Glaubensbrüder und Menschenfreunde, nicht haben wir in unserer tiefgedrückten Lage in unserem schwerbeengten Herzen der Worte hinreichende, um dieses immense Unglück nach seinem wahren Sachverhalte zu schildern, wofür es nur ein Auge, ein Herz, nicht Worte gibt, und eilet Ihr nicht herbei zu unserer Hülfe und Unterstützung und Ihr sehet eine Gemeinde schwind.en aus dem Verbände der Gemein de Böhmens, die stets die entsprechendsten Anstalten zur Gemeindebtldung besaß, und im Begriffe der Entwickelung des Aufschwungs war, und Ihr sehet eine beträchtliche Anzahl von Männern, die sonst opferfähig und opferwillig waren, die von dem Geiste des Heiligen und Bessern beseelt zu Euch um den Bissen Brodeö betteln kommen. Erbarmt Erich unser, daß Familienväter ihre Kinder nicht darben sehen, daß Kinder baar jeglichen Unterrichtes picht entarten und verwildern, daß das Gotteswort und die Gotteslehre aus unserm Gotteshause nicht völlig verhalle und schwinde. Bewährt Euch an uns als Brüder und Bundesgenossen, als Israeliten, deren Charakterzüge Wildthättgkeit und Barmherzigkeit sind, leitet eilig Sammlungen in Euern Gemeinden ein, und wendet die Beträge dem ergebenst gefertigten Cultns-Comite zur Verfügung zu, und Ihr habet Euch für eine jede Gabe und Spende, so Ihr uns zufließen lasset, ein Monument des Dankes in unserem Herzen errichtet, das wir noch auf unsere Kinder und Kindeskindcr vererben werden, Ihr werdet das hohe Bewußtsein mit Recht in Euch tragen können: ״die Gemeinde Polna haben wir aus einer äußerst ver-