Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 12 (September 1863)
- Article
- Deutschland : Wien [Nachricht]
- Date
- 1863-09-01
- Page
- 561 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.561 stulat des 19. Jahrhunderts so viel gepriesen, — jedoch in voller Wahrhaftigkeit, man muß leider sagen, in Deutschland noch nirgends zur Geltung gekommen ist. Auch in Oesterreich werden wir, trotz der vielgepriesenen neuen Aera Dank dem Concordate rc. rc. wohl noch lauge aus diese endgültige Lösung warten müssen. Aus Bayern, 18. Aug. In Nr. 227 des Franks. Jour., in einem Artikel ״vom Neckar", ist der Klage Raum gegeben, daß in Württemberg immer noch der Juden ei d bestehe, während man in Bayern Muhamedaner unter den gewöhnlichen Eidesformeln schwören lasse. Zur Beruhigung diene dem Corrcspondenten die Mittheilung, daß auch in Bayern und zwar diesseits und jenseits des Rheines der Judeneid noch fortbesteht, rechts auf de» Grund der alten Reichsgesetze, links zufolge eines nicht sehr alten usus fori, von dem sich bis jetzt nur die Bezirksgerichte von Kaiserslautern und Landau losgesagt haben. Auch der neue Entwurf eines Proceßgesetzes nimmt Rücksicht auf ״gewisse Formen und Gebräuche", unter denen der Eid nach der Religion des Schwörenden abzunehmen sei (Art. 393 und 136), was die Befürchtung wachgerusen hat, der Jndenetd wolle noch nicht Abschied nehmen. Schweiz. Bern, 8. August. Die Entscheidung der Bundesräthe in der Äargauer Judenfrage wird voraussichtlich zu einer die ganze Schweiz lebhaft ergreifenden Agitation führen, schreibt die Ztg. f. N. Diese Entscheidung unwirksam zu machen, beabsichtigen die Äargauer Ultramontanen nichts Geringeres, als eine BuUdesrevision. Nach Art. 113 der Bundesverfassung muß die Frage der Revision dem Volke zur Abstimmung vorgelegt werden, wenn durch 50,000 Unterschriften von Schweizer Bürgern dieselbe gefordert wird. Eine von dem berüchtigten Professor Schleuninger zu Würenlingen im Aargau abgehaltene Versammlung hat nun beschlossen, jene 50,000 Unterschristen zu beschaffen. Sofort sind Agenten zur Bereisung der einzelüen Kantone bestellt uUd besonders auf die Vorstände der Piusvereine angewiesen worden. Die erforderliche Zahl der Unterschriften, um über die Revisionsfragc abstimmen zu lassen, dürften die Ultramontanen immerhin zusammenbringen; sicherlich aber wird von dein. Volke die Revision abgelehnt. Das sehen die Herren Schleuntnger und Genossen freilich auch voraus; aber es kommt denselben jetzt auch 'weniger auf die Erreichung des Ziels als darauf an, die Stärke ihrer Partei zu Mustern und diese zu einer energischen Lebensäußerung anzurcgen. Die ״Botschaft", das Organ Schleuningers stellt in Abrede, daß der erwähnte Beschluß auf der Versammlung in Würenlingen gefaßt worden; daß aber die Bundesreviston in der Absicht der Ültramoutanen liege, wird von dem genannten Blatte eingcräumt. 3s*