Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1863)
- Article
- Eine Judenvertreibung in Amerika
- Date
- 1863-07-01
- Page
- 468 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932919-2932930-2948074--08415-2948125- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
468 Eine Zudenvertrkibung in Amerika. angeben. Ein distinguirter Staatsmann hat aber die Bemerkung gemacht, daß er niemals ein Land in Blüthe sah, das die Juden schlecht behandelte, und eine noch viel höhere Autorität hat gesagt, sie sind geliebt um ihres Vaters willen. — .— — — — — — In solch trefflicher Weise entledigte sich der Ledger seiner Aufgabe. Die Ordre selbst war, wie schon erwähnt, sehr bald vom General Halleck, dem Oberbefehlshaber der Armee, zurückgenommen worden und glaubte man anfangs, sie hätte gar keine praktischen Folgen gehabt. Jedoch dem war nicht so. Man glaubt sich in die Zeiten des Mittelalters zurückversetzt, wenn man vernimmt, wie ans jenes Edikt hin, einige 30 braver jüdischer Einwohner von Paducah in Kentucky, eines schönen Tages plötzlich den Befehl erhielten, inncrhalb 24 Stunde mit Weib und Kind, die Stadt zu verlaffen, und daß diese 30 freie amerikanische Bürger mit Weib und Kind, ihr Haus und Geschäft zurücklassend, nach 24 Stunden im buchstäblichen Sinne des Wortes aus der Stadt hiuausgejagt wurden. Nur mit Mühe konnte man erlangen, daß zwei jüdische Frauen die auf dem Krankenbette lagen zurückbleiben durften. Man denke sich, mit welchen Gefühlen diese armen Kranken die Versagung aller Jhrigen mit ansehen, und verlassen aus dem Krankenlager zurückbleiben mußten. Die Schaudthat wird kaum dadurch gravirter, daß wie eine Petition von 12 oder 14 der angesehensten Bürger von Paducah und unter ihnen der Hafcnaufseher, auseinandersetzte, daß die Juden von Paducah nie und nimmer in Handelsnntcrnehmungen innerhalb der aktiven Linien General Grants verwickelt waren, daß sie alle sich ehrlich und redlich vom Handel in ihrer Heimath ernährten, und nur ein einziger Jude aus Paducah sich in die Baumwvllgegenden begeben — der noch dazu abwesend — nicht wie seine unschuldigen Glaubensgenossen unbarmherzig zur Stadt hinausgejagt wurde. Die Thatsache, daß ein Untergebener der Negierung, in einem Lande wo völlige Unabhängigkeit des Staates von der Religion und vollkommene Religionsfreiheit, wie vielleicht in keinem andern, von der Verfassung garanttrt und gesichert ist, es wagen konnte, ein Verjagungsedikt gegen eine ganze Rcligionsgenossenschaft als solche zu erlasse», daß diese Schandthat von der obersten Behörde