Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1863)
- Article
- Eine Judenvertreibung in Amerika
- Date
- 1863-07-01
- Page
- 462 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Eine JudenvertrÄuVg in Kmerikr. entstanden, in Folge der glücklichen Erfolge die der reichere Theil in ihren Spekulationen gehabt, und dies habe die weniger vermögenden dazu bestimmt, verschiedene Wege einzuschlagen um sich Vermögen zu erwerben, z. B. mit der Armee zu ziehen und verschiedene Artikel der Soldaten zu verkaufen. Er will ferner vernommen haben, daß nur allein Juden sich mit solchen Geschäften befassen. In dieser Beziehung kann ich ihm mit vollkommenster Sicherheit sagen, daß er unrecht hat; denn ich weiß, daß Männer aller Religionen und aller Stände auf diese Weise Geld zu verdienen suchen. In geschäftlichen Kreisen ist es wohlbekannt, daß ein guter Markt viele Verkäufer anzieht. Da die Armee ein solcher Markt ist, so ist es ganz natürlich, daß Alle die es können, an den Vortheilen die ans dieser Quelle fließen theilnehmen wollen; wenn daS unehrenhaft zu nennen ist, so muß die Unehrenhaftigkeit auf eine große Klasse von Menschen, sowohl Heiden als Juden ausgedehnt werden. Nur sehr selten waren Juden in den vielen unehrenhaften Handlungen verwickelt, die der Herausgeber ihnen vorwirft, so z. B. im Kaufen gestohlener Gegenstände, dem Feinde Nachrichten zutragen und mehrere andere Anklagen. Sie sind meistentheils nur in der Einbildung beklagt. Ich will freilich nicht in Abrede stellen, daß cs auch einige unter ihnen giebt, die gegen das Gesetz handeln; aber so viel behaupte ich sicher, daß ihrer im Verhältniß zu der Anzahl Juden, nicht mehr wahrscheinlich jedoch viel weniger sind als in irgend einem andern Volke.- Bis dahin hatte sich, wie gesagt, noch keine christl- Stimme in ganz Amerika zu Gunsten der Inden in der Presse erhoben. Der Redakteur des Occident hielt es deshalb für seine Pflicht, nach seinen Kräften dahin zu wirken, daß das unerhörte Faktum in seiner ganzen Furchterlichkeit erkannt und für die Zukunft unmöglich gemacht würde. Um zu zeigen, wie auch im Eldcrado der Freiheit und Gleichheit wir Juden noch mit den elendesten Vorurtheilen zu kämpfen haben, wie auch dort die Presse ihre heiligste Pflicht, die Wahrung des Rechtes, von wem und gegen wen auch immer es verletzt ist, sobald cs uns Juden gilt, verläugnet, möge die Thatsache dienen, daß Herr Leeser einen Artikel für die Juden, trotz aller möglichen Bemühungen, keinen Eingang in eines der Hauptblätter Philadelphias verschaffen konnte. Während es Raum für die unbedeutendsten und gemeinsten