Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1863)
- Article
- Eine Judenvertreibung in Amerika
- Date
- 1863-07-01
- Page
- 460 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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460 Eine Judenvertreibung in Amerika. Mit Bedauern, schreibt Herr W. B. Hachenburg, las ich den Leitartikel im Daily Chronicle in Betreff der jüngsten Ordre des General Grant, die Vertreibung der Juden ans dem Staate Tencssee betreffend. Wiewohl kein öffentlicher Schriftsteller, halte ich cs dennoch für meine Pflicht auf einen Thcil desselben zu antworten. In jedem denkenden Geiste mußte von vornherein die Ordre als eine ungerechte und tyrannische sowohl als eine vollkommen illegale erscheinen, wohl würdig eines fremden Despoten nicht aber eines Commandanten eine imposanten Armee, unter einer Regierung die jedem Bürger jene heiligen Rechte garanttrt, die nur von wenigen Staaten, in einer Ausdehnung wie hier vielleicht von keinem andern, gewährleistet werden. Die Ordre trägt auf ihrem Antlitze die niedrigen Anschauungen Generals Grant's, und wurde von den meisten Leuten als ein großer Schimpf verdammt. Zu zeigen, daß der Herausgeber des Chronicle gewisse Dinge behauptet hat, die darauf ausgehcu die öffentliche Meinung gegen d׳'e Klaffe von Menschen, auf welche sich jene Ordre bezieht, zu prejudiziren, ist der Zweck des Schreibers. Der Herausgeber versucht zuerst eine Apologie General Grant's für den Erlaß der Ordre, weil General Grant sich nie zuvor maß׳ lose Tyrannei zu schulden kommen ließ re. Es ist dies aber in der That eine sehr schwache Entschuldigung die von vornherein deweist, daß die Sache ungerecht ist. Er fährt dann fort, ״die Juden waren seit jeher bekannt durch ihre Vorliebe für illegale Handelsgcschäste, oder wenigstens für ungewöhnliche Mittelwege Geld zu verdienen" und behauptet, daß dieses Ursache ihres ״Ausschlusses aus allen socialen, politischen und commerziellen Zirkeln" sei. In Bezug auf die Vorliebe für illegale Geschäfte, denke ich, daß diese Art des Handels, durchaus diesem Volke nicht allein anhängt; mit vollkommner Sicherheit behaupte ich vielmehr, daß dieser Art der Handels viele, ja sehr sehr viele der Glaubensgenossen des HerauSgebers des Chronicle ergeben sind. Nicht im Entferntesten möchte ich jedoch die Handlungsweise rechtfertigen, und wer immer sie übt, sollte die Strafe empfangen die ihr gebührt. Die Israeliten sind im Allgemeinen stark in merkantilische Unternehmungen verwickelt; es gicbt wenig Städte und Ortschaften in welchen nicht mehrere oder wenige von ihnen in solcher Weise thätig find; ihr Fleiß und