Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1863)
- Article
- Palästina : Jerusalem [Nachricht]
- Date
- 1863-06-01
- Page
- 430 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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430 gewalttätigen Räuber Straflösigkeit zu sichern. — Am 12. Adar wurde der Rabbiner der sefardischen Gemeinde, R. Chaim David Chasan, in Folge Dekretes des Sultans zum Oberrabbiner aller jüdischen Unterthanen der Pforte in Palästina erhoben. Der Pascha der Stadt schickte ihm das Pferd, das er selbst am Tage seiner Erhebung bestiegen hatte, durch einen -Anführer in Begleitung von fünfzig Kawassen. Der Rabbiner bestieg das Pferd und wurde vor das Haus des Pascha's geleitet. Dort empfingen ihn alle Effendt's und der Pascha ließ ihn sich zur Rechten setzen. Der Ferman, vermittelst welchen er in das Oberrabbinat über alle Provinzen des heil. Landes eingesetzt wurde, wurde verlesen, worauf ihn der Pascha bis zum Thorc seines Hofes geleitete und er sodann durch alle Quartiere der Juden geführt wurde um ihn in der ihm vom Sultan übertragenen Würde öffentlich zu zeigen. — Am 19. Adar feierten die unter englischem Schutze in Jerusalem wohnenden Juden den Vermählungstag des Kronprinzen Albert Eduard. Sie gedachten dankbar der ehrenden Theilnahme, die der Prinz den Juden bet seinem vorjährigen Besuche erwiesen. Er hatte zuerst die an der Westmauer versammelten Juden insgcsammt nnd sodann sowohl die sefardischen als die deutschen Gemeinden in ihren Synagogen besucht. Abends hatten die englischen Schutz genießenden Juden, sowie die Synagoge der deutschen illuminirt. — Am 25. Adar kam der von Herrn Albert Cohen für das vom Hanse Rothschild gegründete Hospital bestimmte Dr. Rothziegel, ein Jude, in Jerusalem an, der früher in Belgrad gestanden, und wurde mit Vertrauen in die Wahl des humanen Senders würdig empfangen. — (Hallebanon.) — Welche wehmüthige Erinnerungen werden mit dem Frühlingsmonat Nissan in dem Herzen des jüdischen Bewohners Jerusalemö wach! In rauschender Freude beginnt cs von nichtjüdischen Festfeiernden zu wogen, und der Jude denkt an die Zeiten von ehedem, wo Jerusalems Mauern die Hunderttausendc der StämMe Jsracls zum Tempel hinaufwallend umfingen. Selbst muhamedanische Beduinen und Landlcute versammeln sich zu Tausenden von der Umgegend Jerusalems mit Musik und fliegenden Fahnen, um von dort zum Grabe Moses zu wandern, das sie irrthümlich diesseits dcs Jordans wähnen. Nachdem nämlich Palästina türkische Provinz gcworden und um Ostern Christen in großer Menge nach Jerusalem, wie noch heute zogen, fürchtete der damalige Pascha, cs könnten einmal die Christen auf ihre Menge vertrauend sich der Stadt bemächtigen, und gebrauchte die List, in allen Dörfern bekannt zu machen, es sei ihm Moses im Traume erschienen und habe ihm den Ort seines Grabes gezeigt und zugleich von ihm gefordert, die Jsmaeliten sollten jedes Jahr im Frühlingsmonat zu seinem Grabe wallfahrten. Von da an stammt der Brauch. —