Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1863)
- Article
- Rußland [Nachricht]
- Date
- 1863-05-01
- Page
- 384 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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384 Idee, durch eine Steuer die an und für sich ganz unbedeutend aber mit der Zeit bedeutende Summen gbzuwerfen versprach, nach und nach ein genügendes Kapital zur Erbauung eines neuen großen Hospitals zu sammeln. Man beschloß eine Ausschlagsteuer von einem halben Kopeken auf das Koscherfleisch zu legen. .Rubel auf Rubel sammelten sich an und 20 Jahre nach dem Beginn ,der Sammlung lagen 110,000 Silberrnbel zu dem wohlthätigen Zwecke bereit. Die Gemeinde, kaufte nun im vorigen Jahre ein Schloß des Fürsten Radziwtll nebst mehreren dazu gehörigen Gebäuden, außerdem noch ein danebenstehendes steinernes Haus, welche Lokalitäten vorzüglich geeignet zu einem Hospitale waren. Das Palais liegt im schönsten, gesundesten Theile der Stadt, eine große Wiese nebst großem schönem Garten bietet gehörigen Raum zu Spaziergängen für die Kranken und Neeonvalescenten. Die verschiedenen Gebäude enthalten nach den nöthigen baulichen Verändernn en, mehr als 50 Zimmer, und lasten eine vollständige Trennung der Geschlechter und verschiedenen Krankheiten in dem einzelnen Gebäude.zu. Berechnet ist das Hospital auf 100 Kranke. Alle inneren Einrichtungen sind aufs schönste und zweckmäßigste getroffen; marmorne Wände in vielen der Zimmer zeugen von dem Neichthum des früheren Besitzers. Die Neubauten kosteten 15,000, die innere Einrichtung, Bettstellen, Betten, Wäsche k. 5000 Rubel und bleibt also noch im Stammkapital 35,000 Rubel. Den Aufschlag auf das Koscherfleisch hat die Gemeinde beibehalten und bildet derselbe den größten Thcil des jährlichen Einkommens von 13,000 Rubel, welche Summe zur Deckung sämmtlicher Kosten vollkommen ausretcht. So wurde durch opferfreudigen Gemeinsinn, Ausdauer und weiser Ausführung einer praktischen Idee wahrhaft Großes geschaffen. Das Mittel, das es geschaffen, dürfte auch für andere Gemeinden denen ein Hospital oder andere Wohlthätigkeitsanstalten abgehen, vollste Nachahmung verdienen. Türkei. Smyrna. Ein jüdischer, Protestant gewordener Lehrer zu Smyrna hatte einen griechischen Knaben zur Strafe eingesperrt. Sofort verbreitete sich das Gerücht, ein Jude habe einen griechischen Knaben geraubt um, nach dem beklageuswcrthenVolköwahn, sich das zu den Mazzoth notwendige Blut zu verschaffen. Bei dieser Nachricht fielen die Griechen über die Juden, welche in den Christen-Quartteren des Handels oder der Arbeit willen zerstreut waren, her, raubten ihnen ihre Maaren und mißhandelten groß und klein die Unglücklichen mit Faustschlägen, Stecken und Steinwürfen. Sic schlugen sie blutig und riesen dann: Ihr wollet Christenblut §11 euren Osterkuchen, nehmt euer eigenes." Reich oder arm, kein Jude blieb verschont.