Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1863)
- Article
- Frankreich : Avignon [Nachricht]
- Date
- 1863-05-01
- Page
- 383 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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383 — Im Jahre 1740 ward es bet 1000 Livres Strafe im Elsaß den Juden verboten mit Christen unter einem Dache zu wohnen. 1775 brachte der Fiskal von Rtbeanvtlle eine schwere Uebertretung dieses Verbots zur Anzeige. Ein Jude hatte es gewagt von einem christlichen Metzger eine ganz getrennte Wohnung zu miethen, aus deren Hof jedoch unglücklicher Weise die Fenster des Christen gingen! Vergebens erbot er sich durch eine von ihm zu erbauende Gallerie jede Communication unmöglich zu machen. Vergebens wollte er sich überdies verpflichten während Prvcessionen seine Wohnung zu verlassen. Die königlichen Beamten entschieden zwar zu Gunsten des Juden, allein das Conseil souverain des Elsaß verwarf die Einrede des Juden und verurtheilte ihn, sofort mitten in der strengsten Jahrzeit das Haus mit seiner Familie zu räumen. (U. Jsr.) Rußland. — Ein preußisches Blatt erzählt: Als die kleine Stadt Stargow von den Russen genommen worden, hatten diese Ordre den Ort zu brandschatzen sich übrigens auf die christlichen Häuser zu beschränken und die Häuser der Juden, welche keinen Theil an der Jnsurrektion genommen und ein besonderes Quartier bewohnen, zu vcrschonen. Nachdem die Brandschatzung der Ordre gemäß vollzogen war, kaufte die jüdische Gemeinde von den Russen für die Summe von 500 Rubel die genommenen Gegenstände, und stellte sie den Christen ohne alle Vergütung wieder zurück. (V. Z.) LI Rußland, Berditschew. Ich habe heute ein Faktum zu berichten das zu den erfreulichsten gehört, das ihnen aus jedem Kreise und noch dazu aus Rußland zugehen kann. Ist man doch außerhalb so wenig aufgeklärt über die Verhältnisse unserer poluischen und russisc! en Glaubensgenossen, daß jede Nachricht darüber von Interesse sein muß. Beurtheilt man doch namentlich in Deutschland alle Juden Polens und Rußlands nach den wenigen, die die Noth oder andere Verhältnisse dazu treibt den Wanderstab zu ergreifen und die dann freilich nicht immer die günstigsten Begriffe über ihre heimathltchen Verhältnisse erwecken. Um so mehr dürfte das heute zu Berichtende interessiren, wenn es auch schon älteren Datums ist- Berditschew ist eine nach deutschen Verhältnissen große, nach hiesigen nicht gerade zu den bedeutendsten zählende Genicinde Wolhyniens Wie in den meisten polnischen Gemeinden ist nur ein Theil der Gemeindeglteder zu den reichen zu zählen. Schon seit langen Jahren machte sich das Bedürfniß geltend für die armen Kranken, denen bisher ein hölzernes niedriges ungesundes Lokal zur Verpflegung diente, ein geeignetes Hospital zn errichten; doch woher die Mittel schaffen? Die Kräfte der Beitragenden waren durch übrige Gcmcindebcdürfnissc schon fast überlastet. Da kani man zu der