Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1863)
- Article
- Schweiz [Nachricht]
- Date
- 1863-05-01
- Page
- 382 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Schweiz. Hinsichtlich des zwischen Frankreich und der Schweiz abzuschließcnden Vertrags heißt es in der Patrie vom 24. Marz: Dieser Vertrag würde gleichwohl unvollkommen sein, wenn damit nicht eintgc Fragen in Verbindung gebracht würden, die zwar auch unsere materiellen Interessen berühren, vor allein jedoch einem ho Hern Kreise von Ideen angehören, den Begriffen des Rechts und der Freiheit. Dahin gehört auch die Frage über die in der Schweiz den franzöfischen Juden eingeräumte Stellung. I» manchen Kantonen ist ihneu die Ausübung jeden Gewerbes, jeden Handels verboten. Diese Beschränkungen, welche als die letzten Spuren einer untergegangenen Zeit erscheinen, sind ebenso in schreiendem Contrast mit dem ltberalen Charakter der schweizerischen Verfassung, wie sie mit dem allgemeinen Geist des lg. Jahrhunderts in Widerspruch stehen. Es kommt Frankreich zu, welches unter allen Nationen zuerst die Gcwissenöfreiheit und Gleichheit Aller vor dem Gesetze ohne Rücksicht auf die Confessio» proklamirt hat, die Aufhebung dieser Beschränkungen zu verlangen. Die kaiserliche Regierung hat diese Aufgabe nicht vergessen und wir glauben, diese Forderung ist eine der ersten, welche unsere Unterhändler in Angriff zu nehmen und aufrecht zu halten bcauftragt worden sind. Frankreich. Avignon. Der Stadtrath hat den Bau eines Ofens zum Bakken der Mazzoth und eben so den Bau einer hübschen Wohnung für den Pedell in unserer Synagoge beschlossen, Bauten, die sich auf mehrere Tausend Frs. belaufen. Herr Amadäus Valabregue ist zum Administrator der städtischen Gefängnisse, zu>n Mitgliede der Steuercommtssion und der Arbeiter-Vorschnßcasse gewählt worden, welche unter dem Patronat der k. Prinzen steht. — Ebenso hat der Stadtrath von Toulouse die jährliche Summe von 750 Frs. zu den jüdische Gcmeindekosten bewilligt. — In Marseille wohnen ungefähr 2000 jüdische Seelen. Die Kinder besuchen das Lyccum, verschiedene -sonstige Unterrichtsanstaltcn und die Freischulen ber Gemeinde. Die Kosten für Unterricht belaufen sich auf 5000 bis 6000 Frs. jährlich. Die Stadt gewährt eine jährliche Subvention von 3000 FrS. — In großem Maßstabe wird die Wohlthätigkeit in Marseille geübt. Der von den jüdischen Frauen zum Besten der Armen veranstaltete Verkauf hat mehr als 15,000 Frs. eingcbracht. Die Verwaltung geht damit um ein jüdisches Armenhaus zu stiften. — Das jüdische Wohlthätigkcitscomitc in Paris hat im Monat März Geschenke im Belaufe von 12,250 Frs. erhalten, darunter 7000 Frs. vom Baron und der Baronin Gustav von Rothschild, 1250 vom Advokaten Cremieux, 1000 Frs. von Herr Eduard Kann.