Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 7 (April 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-04-01
- Page
- 319 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Von G... 319 danken versunken saß Arabella da. Sie, der unsere heilige Religion als das Höchste galt, sah diese vernachlässigt von ihrem Gatten, wie konnte sie hoffen, daß sie ihrem Sohne heilig sei? Welch eine Zukunft sah sie für das Wesen, das ihr theuer, unendlich theurer als bas Leben war. Einst hatte sie wohl den süßen Wahn gehegt, daß es ihr gelingen könnte, ihren Gatten von der Nichtigkeit aller moralischen Grundsätze, wofern diese nicht auf religiösen beruhen zu überzeugen, und ihn mit Herz und Seele Jude werden sehen, doch längst hatte sie diese Hoffnung aufgegeben. Sie war Weib, Weib im reinsten Sinne des Wortes. Der ganzen Welt wäre es nicht gelungen, sie in ihren Grundsätzen wankend zu mache», aber um eiuen Andern zu überzeugen dazu bedarf es mehr als der eigenen Festigkeit. Doch selbst wenn sie dieses ״mehr" besessen, Arthur gegenüber hätte es ihr wenig geholfen. Er liebte sie noch immer auf's zärtlichste, in ihrer Gegenwart vermied er Alles was ihr auch nur das geringste Aergerniß hätte bereiten können. Sprach sie mit ihm darüber, so gab er ihr stets Recht. Wie hätte er sich auch mit ihr in dogmatische Streitigkeiten einlassen, wie ihr in Dem widersprechen können, was ihr, wie er wußte, höher als das Leben galt? Groß ist die Macht der Liebe, doch großer die der Gewohnheit; es giebt nur eine Macht die großer ist als diese, das ist die Macht der Ueberzeugung. 7. Arabella hatte es nicht bemerkt, baß Arthur raschen Schrittes sich ihr genähert und fuhr zusammen, als er sie nun plötzlich anrebete. ״Habe ich Dich erschreckt, Herzchen? das ist mir leid, verzeih. Aber ich freute mich so sehr als ich im Hanse horte du seiest hier im Garten, daß ich eilte Dich aufzusnchen. Hat Dich das Gehen nur nicht zu sehr angestrengt?" ״Du hälft mich immer für viel schwächer als ich bin, entgeg-