Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 6 (März 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-03-01
- Page
- 277 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2932754-2932919-2932926-2947731--08132-2947778- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Von S... 27s ״Aber ich weiß es! —״ rief sie wildlachend und warf ihrer Mutter das erhaltene Billet zu. Dann aber brachste in ein lautes Weinen aus. ״Liebes gutes Kind," und die Commerzienräthin schloß sie liebkosend in die Arme, ״wie kann dich dieses nur so aufregen, es wäre ja in der That zu viel verlangt, wollte man aunehmen, daß Arthur schon jetzt sich gar keinen Verstoß mehr zu Schulden kommen ließe." ״Aber seine Schwüre, seine Versprechungen." ״Er wird sie gewiß halten, davon bin ich fest überzeugt. Du mußt ihm nur Zeit lassen und nicht gleich Alles auf einmal verlangen. Mit der Zeit wird er gewiß noch ein ernst-religiöser Jude werden." Laut schluchzend schüttelte Arabella das schone Haupt. Der Commerzienrath hatte kein Wort gesprochen, unbeweglich stand er da, sein Gesicht war erdfahl geworden. - Ein lautes Klopfen an der Thür, und ohne das ״herein" abzuwar teil trat Arthur unbefangen fröhlich ins Zimmer. Arabella stieß einen gellenden Schrei aus und sank ohnmächtig nieder; zum Tode erschrocken stürzte Arthur auf sie und trug sie auf's Sopha. Angstvoll bemühten sich ihre Eltern sie zu wecken, Arthur aber sandte rasch zum Arzt. Sehr bald fand sich dieser auch ein, aber dem Gatten schien es eine Ewigkeit gewahrt zu haben. Arabella war noch imnier bewußtlos, doch nach einiger Zeit schlug sie die Augen auf. Der Doktor winkte den Herren sich zu entfernen, und bald gelang es seinen Bemühungen die junge Frau wieder zu sich zu bringen. Als er nach einiger Zeit ans dem Zimmer trat, stürzte Arthur ihm entgegen: ״Um Gottes Willen, Doktor, wie geht es meiner Frau, es ist doch nichts Bedenkliches?" Der Arzt lächelte, ״beruhigen sie sich, Herr von Lilienfeld, es ist durchaus nichts Bcsorgnißcrregendes", und er lächelte nochmals bedeutungsvoll. Glühende Rothe überflog Arthurs Gesicht. ״Versteh' ich Sie recht, Doktor, darf ich hoffen?" ״Hoffen Sie getrost, aber regen sie Ihre Frau Gemahlin nicht all zu sehr auf, sie war, wie ich glaube, von jeher etwas nervös und ihr jetziger Zustand pflegt das Nervensystem gewöhnlich »och reizbarer zu machen." Der Doktor entfernte sich, Arthur wußte sich vor Freude kaum 1s