Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1863)
- Article
- Deutschland : Karlsruhe [Nachricht]
- Date
- 1863-02-01
- Page
- 237 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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237 rückschreitend (!) die Einführung der Gottesdienst-Ordnung, wie sie für die orthodoxe Partei in Frankfurt hergestellt ist. Die freisinnige (!) Mehrheit dagegen, die seit Jahrzehnden den starren Formen (!) des alten Gottesdienstes sich entzogen hat, mochte eine Form auffinden, die, wie in Mannheim, Stuttgart und vielen anderen Orten, Allen die Theilnahme wieder ermöglicht. Eine Versöhnung ist schwer, aber nicht unmöglich; jedenfalls ist das zu früh ausgesprochene Wort ״Trennung" Seitens der Orthodoxie erst die letzte Eventualität. Frankreich. Parts, im Jan. 1863. LUnivers Jsraelite giebt im Januarhefte einen Rückblick aus die Wirksamkeit des Consistvire central seit 1844, der als Warneruf überall vernommen zu werden verdient, wo, wie dort, sei es in großen oder kleinen Kreisen, das religiöse Heil der jüdischen Gemeinden in die Hände von Männern gelegt wird, die, welche ehrenvolle, ja glänzende bürgerliche Stellung sie auch cinuehmcn, dem jüdischen religiösen Leben fremd oder gar feindlich gegenüberstehcn. Seit 18 Jahren hat diese mit der ungeheuerstcn, unerhörtesten Gewalt ausgerüstete Centralstelle nichts, weder für die Vertretung des Judenthums und der Jndenheit nach Außen, noch für die Hebung und Pfiege der jüdisch-religiösen Interessen nach Innen geleistet. Die Thätigkeitsbilance einer achtzehnjährigen Administrattonsperiode weist nicht einen einzigen Aktivposten auf, schließt dagegen mit einem ungeheuren Passiv. Die einzige aus einer so langen Zeit zu registrirende That des Confistoriums ist die Verlegung .des Rabbinerseminars vvn Metz nach Paris, und diese einzige That, ganz abgesehen von ihren inner» Motiven, stellt sich als eine klägliche Armseligkeit heraus. Louis Philippe wollte bereits diese Anstalt nach Paris verlegen und ihr dort eine entsprechcnde Stätte bereiten Das Confistoire central lehnte dies Anerbieten ab, suchte vielmehr beim Staat und dem Confistvrinm zu Metz um bedeutende Summen nach und erhielt auch dieselben um in Metz ein neues Gebäude für diese Anstalt aufzusühren. Und nachdem mehr als 100,000 Frs. für diesen Ban verausgabt waren, betrieb das Consistortum die Translocirung nach Paris, wo die Anstalt auf die precairste und der französischen Jndenheit unwürdigste Weise untergebracht ist. Das ist das einzige positive Werk, welches das Consistorium vollbracht hat; sonst zählt das Inventar seiner Wirksamkeit nichts als Nullen. Während cs aber — fährt der Rückblick fort — für Israels Feinde zu allen Zeiten eine unglaubliche Nachsicht an den Tag gelegt, hat es die unter seiner Autorität im Dienste der Synagoge arbeitenden jüdischen Männer mit der äußersten Strenge behandelt. Es hat einen der ehrwürdigsten Oberrabbiner, den Stolz des fran-