Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1862-12-01 · Heft 3 (Dezember 1862) · p. 139

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 3 (Dezember 1862)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1862-12-01
Page
139 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2932754-2932919-2932923--07909-2947517
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

139 B erlin, 27. Nov. Das Wiener ״Vaterland" enthält eine Berliner Correspondenz, die allgemein bekannt zu werden verdient. Nachdem sie die Behauptung aufgestellt, daß zu den 36,000 Thlr. des Nattonalfonds mindestens 26,000 Thlr. von Juden und jüdischen Firmen eingezahlt worden, fährt sie fort: ״Das bringt mich ans die Juden und die gefährliche Rolle, die sie in unseren Consitcten spielen; die Juden sind meines Erachtens sehr unvorsichtig, sie stacheln den Groll gegen sich immer mehr, sie fodern heraus in so plumper Manier, daß es voraussichtlich in nicht sehr ferner Zeit zu einem Constict kommen wird, der uns eine wirkliche Judcnverfolgung bringen kann. In den unteren und untersten Schichten der Bevölkerung, nicht nur der Hauptstadt, sondern auf dem Lande herrscht eine Wuth gegen die Juden, ein Groll, der etwas Erschreckliches hat, der sich lediglich daraus erklärt, daß die Juden da, wo durch ihren Reichthum (der übrigens viel weniger groß ist, als man sich gewöhnlich denkt, den sie selbst übertreiben, um mehr Credit zu Haben, den sie aber von den Procenten vermehren aus den Capitalien, welche ihnen Christen anvertrauen) einsiußreich oder herrschend sind, mit einem Uebermuth und einer Ostentation anftreten, die allerdings etwas Empörendes hat; dabet spielt die jüdische Brutalität gegen christliche Mädchen in den Fabrik-Distrikten eine große Rolle. Es wäre für die vielgerühmte (freilich ist oft nicht viel dahinter) Humanität unserer Tage ein schwerer Schlag, wenn wir eine Judenversolgung erleben müßten, ich muß Ihnen aber sagen, daß ein solches Ercigniß, meiner Ansicht nach, nahe bevorstehend ist und nicht bloß hier, sondern in ganz Norddeutschland, namentlich auch in Hamburg. (In welcher Atmosphäre müssen solche Scribcnten athmen, daß ihnen solche Artikel an der Zeit dünken und sie auf gläubige Seelen und empfängliche Gemüther rechnen! Nur in diesem Sinn halten wir auch dafür, daß eine solche ״Correspondenz" allgemein bekannt zu werden verdient. Die Red.) Breslau, 16. Oct. Seit dem 1. Oct. erscheint hier ein reactionäres Blatt, die ״Provinztal-Zeitung für Schlesien", die zum ersten Male in diesen Tagen von sich reden machte, indem plötzlich einer ihrer Redakteure — oder ihr Hauptrcdakteur — Herr v. Böser, entlassen wurde. Den Grund für diese Maßregel findet man in dem folgenden der genannte» Zeitung zugegangcnen Schreiben: Der Leitartikel der ״Provinzial-Zeitung für Schlesien" vom 15. Oct. c. enthält einen Ausdruck ״krummbeinige Juden", welcher weder der Heiligkeit des abgehandeltcn Gegenstandes, noch der Würde der conservattvcn Partei entspricht. Ich sehe mich gedrungen, gegen ein solches Verfahren der Redaktion mit Entschiedenheit zu protestiren, weil ich den Gründern der Zeitung angehöre. Die cvnserva-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.