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Jeschurun · 1862-09-01 · Heft 12 (September 1862) · p. 597

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 12 (September 1862)
Article
England [Rezension]
Date
1862-09-01
Page
597 (sequence 2)
Language
German
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597 gung hatte gerichtliche Formen und schleppte sich beinahe Jahre lang hin, war jedoch sehr brutaler und augenscheinlich böswilliger Art. 40 jüdische Soldaten nämlich wurden fälschlich eines Verbrechens angeklagt, dessen kein Gericht sie überführen konnte. Mehr als ein Tribunal erkannte ihre Unschuld an. Aber trotzdem wurden sie auS einem Gefängntß in das andere geschleppt, mehrere von ihnen mit Stockschlägen zu Tode gefoltert und die übrigen schließlich zur Zwangsarbeit nach Sibirien geschickt. Sir F. Goldsmid sagt er stimme durchaus Denjenigen bei, die gegen die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten wären; allein "man dürfe wohl eine Ausnahme von dieser Regel machen, wenn man Grund zn glauben habe, daß eine Besprechung solcher Fragen Gutes wirke« könne. Er wisse aber, daß man in Rußland vor der öffentlichen Meinung Englands große Achtung hege. Lord Palmerston entgegnete darauf, daß sich das Haus schwerlich aus die Einzelnheiten eines auswärtigen Pxocesses einlassen könnte. Der britische Gesandte in Petersburg habe über die Vorgänge in Saratow Erkundigungen einzuztehen gesucht, aber nur die Auskunft erhalten, daß die verfolgten Personen in aller Form Rechtens verurtheilt wurden. Er wolle nicht sagen, daß die russische Justiz nichts zu wünschen übrig lasse; aber was die Behandlung der Juden im Ganzen betreffe, so habe der gegenwärttge Kaiser darin große Milderungen eintreten lassen und er werde ohne Zweifel ihre allmälige Emancipation energisch anbahnen. (Hört, Hört?) * 1 Jonische Inseln. Seit vorigem September erscheint hier ein jüdisches Monatsblatt in griechischer und italienischer Sprache. Diese ״Chronaca tsraelitica" enthält folgende Notizen: Die Juden bilden in Corfu etnen wichtigen Bestandtheil der Bevölkerung. Als 1386 sich Cors» unter die Herrschaft der Rcpnblick Venedig begab, war David Seido, ein Jude, Mitglied der mit dieser diplomatischen Mission beauftragten Gesandtschaft. Dieses denkwürdige Faktum beweist wie sehr damals die verschiedenen Elemente der Bsvölkerung verschmolzen waren, und wie sehr die Interessen und Rechte aller Bürger in ihren Beziehungen zu dem gemeinsamen Vaterlande zusammengingen. Die Juden litten auch unter der Tyrannei der venctianischen Herrschaft und konnten sich seitdem dem schädlichen Einstnsse dieser Epoche nicht wieder entziehen. Gleichwohl fühlte sich die Republick mitunter veranlaßt die Juden von Corfu als theuere und treue Unterthanen anzuerkennen. Zahlreiche Privilegien bezeugten die Wichtigkeit der Dienste, die sie ihrem Lande geleistet hatten.

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