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Jeschurun · 1862-09-01 · Heft 12 (September 1862) · p. 573

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 12 (September 1862)
Article
Altjüdische Frömmigkeit
Date
1862-09-01
Page
573 (sequence 2)
Language
German
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I. Das Buch der Frommen. 87S Ueberrctcher Lohn wäre es schon, wenn damit seine Fehler und Verirrungen ausgewogen würden und er damit vor Gottes Gericht bestehen könnte! Und wäre er der seltene Gerechte, der sein lebelang nicht gesündigt, so käme ihm gleichwohl kein Lohn für seine Gutthaten zu; denn lebte er auch tausend Jahre zweimal, es reichte nicht hin, damit auch nur die geringste nnter den geringsten Wohlthaten zu vergelten, die er von Gott täglich und stündlich empfängt. Daran denke der Mensch, und diene seinem Schöpfer, auch nicht um ins Paradies zu kommen, sondern diene ihm aus Liebe und aus Gehörsam, denn er ist sein Schöpfer und Freund. 36 (64). ״Nimm keine nichtige Kunde auf!" das ist die Warnung, keim Bösrede anzuhören und anzunehmcn! Klagt dir Jemand,' den ein Anderer in deiner Gegenwart zurechtgewiesen, und nun aus dem schmerzlichen Gefühl der Kränkung, sich gegen dich über dessen Charakter und Wandel äußert und dir von ihm böse Dinge erzählt; du weißt, wenn er es auch geäußert, so wird er gleichwohl nicht zu Andern gehen und auch bei ihnen den Andern verkleinern: so höre ihn wohl an, damit er sein Herz erleichtere; allein thue was du kannst um ihm eine bessere Meinung von dem Andern beizubringen, sage ihm: siehe der Andere ist dein Freund, meint es gut mit dir, warum äußerst du dich so über ihn re. Gelingt. es dir, gut, wo nicht, obgleich du ihn hättest anhören müffcn, so glaube ihm doch nicht, und thcile es auch nicht etwa Andern mit, damit auch sie ihn zu begütigen versuchen. Wie leicht werden diese Andern seine Bösrede annehmen, werden vielleicht dem Dritten sagen, wie dieser sich über ihn geäußert; da würdest du den Zwist erst recht anschüren. Kommt er aber als Bösredner zu dir, wird ihn auch bei Andern verlästern, so darfst du ihn nicht anhören, hast ihn mit Entrüstung von dir zu weisen und dich auch bei Andern zu bemühen, daß sie ihm mit seiner Lästerrede keinen Glauben schenken. 37. Sprichst du von Jemandem, so sprich nur Gutes von ihm und erzähle nie etwas Nachtheiliges von deinem Nächsten. Rühme auch Keinen in Gegenwart seiner Feinde. Sie können das Lob nicht vertragen und werden dein lobendes Wort sofort mit der tadelnden

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