Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1862)
- Article
- Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
- Date
- 1862-07-01
- Page
- 482 (sequence 2)
- Language
- German
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482 Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert re. dastehcn׳. Die Juden standen setzt in Form allen Rechtes als Gift- Mischer da, sie hatten es ״selbst beschworen", daß sie ein Complott zur Vernichtung -der gcsammten christlichen Welt geschmiedet; man hatte die Fäden desselben bis weit hin nach Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland zurückgcführt, überall waren die Brunnen von ihnen vergiftet, und das fürchterliche Sterben das in der eurohäischcn Menschheit wüthete, war nichts als ein großartiger Giftmord der Juden. War es jetzt nicht eine Sühne der beleidigten Gerechttgkeit, daß man mit den Giftmördern verfuhr wie es menschliches und göttliches Recht verlangen? Waren die Tausende unserer ״ungläubigen verstockten" Ahnen, die man verbrannte, räderte oder htnschlachtete, nur einen Augenblick in Betracht zu ziehen, gegen die Hunderttausende ja Millionen, die sie dem fürchterlichsten Tode überliefert? Die Verfolgungen in der Schweiz, die unmittelbar auf die Ver- Handlungen in Chillon und Castel folgten, haben wir bereits geschilbert2), Der weitere Verfolg der Ereignisse führt uns nach dem Elsyß und zwar speciell nach Straßburg, das damals noch zum heil, römischen Reiche gehörte. Nehmen wir es jedoch für einen Augenblick in seiner jetzigen Eigenschaft als zu Frankreich gehörig, so werden wir sehen, daß die blutstarrcndcn Ereignisse die wir zu schildern haben werden, nicht die ersten Verfolgungen waren die unsere unglücklichen Ahnen auf französischem Boden zu erdulden hatten. Wenn auch Basnage bekanntlich das erste Erscheinen der Zuden auf französischem Boden ins 6. Jahrhundert verlegte, so wurde ihm doch bereits 1708 nachgewiesen, daß man schon im 4. Jahrhundert das Vorhandensein der Juden in Frankreich annehmen müsset). Eine wahrscheinlich aus dem 3. Jahrhundert stammende und in Frankreich äufgefnndene Grabinschrift, läßt jedoch ihre schon viel frühere Anwesenheit daselbst erkennen. Aus derselben ergtebt sich nämlich, daß eine Römerin Veturia Paulla, die Tochter des Domitius im Alter von 86^/z Jahren gestorben, nachdem sie im 71. Jahre *) S. ebendaselbst. 3) Dissertation sur les ans de l’etablisaeinent des Juifs en France. Paris L708.