Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1862)
- Article
- Rückblick auf die Niederlassungen und Zustände der Juden in Amerika und den benachbarten Inseln
- Date
- 1862-06-01
- Page
- 453 (sequence 2)
- Language
- German
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Rückblick auf die Niederlassungen und Zustände der Juden in Amerika rc- 453 wir mehrere Inseln zu passiren, auf welche wir einen Blick werfen müssen. Die erste ist St. Michael. Auf dieser portugiesischen Colonie haben sich in neuerer Zeit eine Anzahl Juden niedergelassen. Sie sind sämmtltch amerikanischen Ursprungs und treiben Handel. Sie haben sich zu einer Gemeinde constituirt, nach. Art ihrer Marokanischen Bruder, denen sie auch in geistiger Beziehung Vorkommen gleichen. Ihre ״Europaeisattou" ist noch unvollkommen; aber ihr häufiger Umgang mit Bewohnern civilisirter Länder und die humane Behandlung deren sie sich von Setten der Regierung erfreuen, wirb sie bald zur Btldungshöhe ihrer westlichen Brüder erheben. Unter den erleuchteten Monarchen die jetzt eine Reihe von Jahren das portugiesische Scepter führen, kann ihre Lage nur eine glückliche sein. Näher zum amerikanischen Continent sind die westindischen Insein. Diejenige, welche uns am meisten interessirt ist Jamaika. Sephardische Juden fanden bald nachdem es in englischen Besitz kam, ihren Weg dorthin. Sie blühten bald heran und bildeten große, einflnßretche und reiche Gemeinden. Viele der Unannehmlichkeiten, deren sie im Mutterland ausgeseht, waren dort nie gekannt und Juden saßen in der Legislatur lange bevor der Emancipationsstreit in England sein Ende erreicht hatte. Kingstone hatte einen jüdischen Mayvr bevor London einen jüdischen Alderman zuließ. Sephardim folgten bald Askenazim, die in jeder Beziehung ihren Vorgängern Concurrenz boten. Mehrere unserer bedeutendsten jüdischen Familien Englands legten den Grund zu ihrem Vermögen in Westindien z mit dem allgemeinen Verfall der Insel, nahm auch die Zahl und der Wohlstand der dortigen Juden ab. Viele von ihnen wanderten nach dem benachbarten Continent aus. Obgleich jedoch die Gemeinden in Jamaika nicht mehr die hohe Stellung einnehmen wie in früheren Jahren, so zeichnen sie sich dennoch durch die edlen Züge ans die sie damals zierten. Ihre Anstrengungen für die hinlängliche Versorgung ihrer Synagogen, Schulen und Wohlthätigkeits-Anstalten vor allem in KtngStone, sind aller Anerkennung Werth und sie verfehlen bei keiner Gelegenheit ihre Antheilnahme an den Zufällen die ihre Brüdes der östlichen Hemisphäre betreffen thatsächlich an den Tag zu legen und jeden Ansprüchen Genüge zu leisten, die an ihre jetzt sehr geminderte Vermögensverhältntffe gestellt werden. Jede Spur