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Jeschurun · 1862-05-01 · Heft 8 (Mai 1862) · p. 406

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Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 8 (Mai 1862)
Article
Deutschland : Karlsruhe, 24. April [Nachricht]
Date
1862-05-01
Page
406 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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400• Karlsruhe, 24. April. Nach Häuser'S Bericht über die bürgerliche Gleichstellung der Juden beträgt die Anzahl der Juden in Baden 24,099;.im Seekreisc sind zwei Drittel der ganze» Zahl von 1668 in dem einzigen Orte Gailingcn (975); das Gailingen des Obcrrhcinkrciscö ist Schmicheim (566); Karlsruhe zählt unter 27,103 Einwohner 1080 Juden. In ziemlich weiter Ausführung nimmt der Bericht den Talmud in Schuh gegen die Vorwürfe einer unlauteren Sittcnlchre. Er sei das Sammelwerk von Jahrhunderten; aus Zeiten blutgieriger Verfolgung der Juden finden sich einzelne rohe, vom Hasse cingegcbene Vorschriften (?); ihnen gegenüber stehen aber andere, ganz glcichgcartet den Grundsätzen der reinsten christlichen Glaubenslehre. Jedenfalls habe die Anschauung der neuen Nabbincr in ihrer Gesammthcit sich der reineren und geläuterten Auffassung;»gewendet. Karlsruhe, 25. April. (40. Sitzung der zweiten Kammer.) Tagesordnung: Bericht des Abgeordneten Häusscr über den Gesetzcscntwurs betreffend die volle bürgerliche Gleichstellung der Juden, Präsident: Hildcbrandt; auf der Ministcrbank: der Präsident des Ministeriums des Innern, Lameh und Ministerialrath von Dusch. Die Gallcricn sind schon zu Beginn der Sitzung fast völlig gefüllt. Nach einigen von dem Berichterstatter gegebenen Berichtigungen und Nachträgen spricht Sieb seine Ueberzeugung für den Entwurf ans, fußend aus den Geboten des Rechtes und der Politik und trotz der mehrfach dagegen geäußerten Anschauung aus seinem Bezirke. Im Wesentlichen schließt sich ihm an Paravicini; ganz anders Fcdcrcr (von Staufen). Erhernft sich auf die Petitionen, schildert die Inden als der Mehrzahl nach dem Schacher, Wucher, Nothhandcl zugethan, unfähig noch zu tüchtigen Bürgern. Die Inden sollen jetzt zeigen, daß sie sich der letzt erlassenen Gesetze (Fueizügigkeit, Gewerbefreiheit) Werth machen können. Der Redner stellt den Antrag auf Tagesordnung. Fisch!er hofft, daß es mehr gute als schlechte Juden gäbe und schließt sich im Wesentlichen Sieb an. Moll sicht in dem Entwürfe den würdigen Abschluß der neuesten Gesetzgebung; er hält es für Pflicht jedes Gebildeten gegen die noch herrschenden Vorurthcile anzukämpfen und dem Staate mit den Kräftcn der gleibcrechtigtcn neue» Bürger.auch ihre Herzen zuzuführcn. Haager befürwortet auch heute in gehobenen Worten den endlichen Entschluß des Stärkere», dem Schwächern gerecht zu werden. Kein Zeitpunkt sei besser geeignet als der jetzige, der Geschichte Badens dieses ruhmvolle Blatt zu erwerben. Artaria ist der Meinung, daß die mächtigen Ergebnisse der Gesetzgebung der letzten 50 Jahre nnabwciSbar auf den jetzigen Ausbau hindeutcu. Lameh von Pforzhcich gedenkt der beiden Vorkämpfer Grimm und Spchrcr aus dem

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