Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 8 (1861-1862)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1862)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1862-05-01
- Page
- 405 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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V hebräischen Unterricht aus den biblischen Quellen erhielten, der sich auf Pentateuch, Erste Propheten, Hiob und hebr. Grammatik erstreckte. Posen, 22. April. Der ״D. A. Ztg." wird von hier folgen-- der Conflikt mitgetheilt: ״In einem an unserer Wilhelms-Promenade gelegenen Hause trafen gestern gegen Übend ein Kaufmann jüdischer Cdnfession Namens Falkcnfeld und ein Jnfanterielicutenant am Schenktische zusammen. Es kam hier zwischen beiden zu einem Wortwechsel, der in Thätlichkeiten überging. Der Kaufmann sich wehrend, entriß dem Officier die Scheide seines Degens und flüchtete auf die gerade von Hunderten von Spaziergängern, vorzugsweise Juden, besuchte Promenade hinaus, von dem Officier mit blanker Waffe verfolgt. Letzterer hieb auch auf der Straße noch auf den Kaufmann ein, der mit der Scheide und seinem Spazierstocke sich wehrte oder vielmehr die Hiebe abpartrte und dann in ein Nachbarhaus floh. Der Kaufmann, der einen Mantel anhatte, ist nicht verwundet. Der Officier nebst zweien seiner Kameraden, die hinzugekommen waren, wurde hierauf von Hunderten von Spaziergängern mit Hohngeschrei bis zum Hause des commandirenden Generals, wo noch eine Verhaftung stattfand, verfolgt, doch verlies sich die Menge, nachdem Wachen und Poltzetbeamte hinzugckommen waren." Karlsruhe, 19. April. Häusser hat seinen Bericht über die volle bürgerliche iGleichstellnng der Juden erstattet. Die einzige bemerkenswerthe Modifikation an dem Regierungöentwurfe besteht darin, daß die Frist von fünf Jahren, welche als Uebergangssta-- dinm für die Zulassung zum Allmendgenuß und zur Armenunterstützung gestellt wird, auf zehn Jahre erweitert werden solle. Ein großer Theil des trefflich gearbeiteten und mit großen geschichtlichen Zügen gezeichneten Berichtes ist der Widerlegung des zum Theil allerdings fabelhaften Inhaltes der s. g. lithographirtcn Petitionen gewidmet. Solcher Petitionen sind im Ganze» bei der zweiten Kannmer 194 mit über 18,000 Unterschriften etugelaufen. Von den größeren Städten des Landes haben sich nur ungefähr 6 der kleineren dieser Bewegung angeschlossen, welche in ihrer ״Begründung", wenn dieselbe wahr wäre, nicht etwa zur Nichtgleichstellung, sondern zur Vertreibung der Juden aus Baden führen müßte. Nach einem Blicke auf die wirklich vorhandenen Gründe der Abneigung, entsprossen aus der Eigenthümlichkeit des jüdischen Volksstammeö und seiner Unberührthett von zahlreichen bürgerlichen und religiösen und sittlichen Entwickelungsmomenten des christlichen Europa, (?) gelangt Häusser zu der Ucberzeugung, ״daß es aus den Gründen des Rechtes und der Billigkeit, wie aus dem Gesichtspunkte christlicher Humanität gestattct und geboten sei, den Grundsatz, aus welchem die Gesctzesvorlage beruht, der Kammer zur Annahme zu empfehlen."