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Jeschurun · 1862-04-01 · Heft 7 (April 1862) · p. 351

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
8 (1861-1862)
Issue
Heft 7 (April 1862)
Article
Deutschland : Karlsruhe, 22. Febr. [Nachricht]
Date
1862-04-01
Page
351 (sequence 2)
Language
German
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351 unklaren Gefühlen geleitet werden. Es ist auch oft leichter, unal>- hängigen Freimuth nach Oben, als nach Unten zu bewähren. Volksgunst ist nicht minder verführerisch, als Fürstengunst. Die Sache der Emancipation dünkt den Einen unvereinbar mit der Grundlage des ״christlichen Staates", den Andern unvereinbar mit den historischen Rechten und partikularen Privilegien einzelner Orte. Nicht Wenige werden beherrscht von einer Art kindischer Gespensterfurcht, als würde das jüdische Element nun alle Kreise des bürgerlichen und politischen Lebens beherrschend durchdringen. So mag es sich erklären, daß eine immerhin nicht unbedeutende Zahl Solcher sich gefunden hat, die an dem Petitionenputsch gegen die betreffende Regierungs- Vorlage sich betheiligt haben. Das aber ist das Bedauerliche bet der Sache, daß inan sich unter eine Fahne zu stellen hrrbetlteß, die eine unbekannte Hand im Dunkeln aufgepflanzt hat. Es ist das erste Mal, daß dieser Weg eingeschlagen worden, lithographirte Petitionen ohne Namensunterschrift fim Land umherzuschicken, und das Volk zu verführen. Leider ist diese Thätigkeit der anonymen Gesellschaft nicht erfolglos gewesen. In welchen Kreisen diese Gesellschaft ihre Heimath habe, mag dahin gestellt bleiben. Seltsam bletht eS immer, daß sie so viele Leute gefunden hat, die sich solch verdächtiger, jeder Eontrole und Verantwortlichkeit sich entziehenden Führung hingegeben haben. Auf die Haltnng der Kammer in dieser Sache werden so entstandene Petitionen keinen Einfluß haben. Aus Baden, 7. März. Mit Ausnahme des Ortes Gulzbnrg ist in der Juden-Gletchstellungs-Angclegenheitketnerlei Thätlichkeit mehr vorgekommen. Auch dort geschahen solche nur in Folge von Agitationen, welche in der Presse die herbste Zurück- Weisung erfahren haben, durch welche die Hauptbetheiligten ihr Leben lang moralisch compromittirt erscheinen. So ruhig die Regierung der Debatte zusicht, so fest entschlossen war dieselbe, die geringste Thätlichkeit mit unnachsichtlichcr Strenge zu ahnden. Die ganze Angelegenheit ist übrigens nach kurzem Agitiren völlig im Erlöschen begriffen. Was jetzt noch geschieht, ist Privatvergnügen des Karlsruher ultramontanen Organs, das in einer Nummer für die Theorie der Gleichstellung schreibt, um in der andern aus dem Talmud die prinetpteüe Stttenlvsigkett der jüdischen Religionsgenvsienschaft nachzuweisen, eine Taktik, ganz würdig der Verfechter des eanonischen Rechtes als Staatsgesetzgebung. Die völlige Gleichstellung der Juden ist mit Gewißheit zu erwarten. Dafür bürgen die Grundsätze, welche die Regierung in dieser Angelegenheit leiten und der Mintster Lamey in denkwürdigen Worten der Kammer entwickelte. Von der vermeintlichen Annehmlichkeit der Bevölkerung, wenn sie auf irrigem Verständnisse beruht, sagte er unter Anderm, kann nie die

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